7. Dezember 2017 um 20:18 Uhr

Regionalliga-Aufstiegsreform: Zwischenlösung bis 2020

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© Flohre

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In der Diskussion um die geplante Aufstiegsreform zur 3. Liga ist es am Donnerstag zu einer überraschenden Einigung der Landesverbände gekommen. Nach der heftigen Kritik an den bisherigen Anträgen ist nun eine Übergangslösung für die kommenden beiden Spielzeiten geplant, bevor ein Modell mit vier Regionalligen in Kraft treten soll. Klar ist bereits: Aus der 3. Liga werden ab der Saison 2018/19 vier statt bisher drei Mannschaften absteigen.

"Deutliche Verbesserung der Situation"

Die 21 Landesverbände des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) werden auf dem Außerordentlichen Bundestag am Freitag in Frankfurt am Main einen gemeinsamen Antrag zur geplanten Regionalliga-Feform stellen. Das teilte der DFB am Donnerstagabend mit. Demnach wird es in den Spielzeiten 2018/19 und 2019/2020 eine Übergangslösung geben, "die eine deutliche Verbesserung der aktuellen sportlichen Situation mit vier Aufsteigern und drei festen Aufstiegsplätzen für die Meister der fünf Regionalligen darstellt", wie es in der DFB-Mitteilung heißt. Der gemeinsame Antrag, der auf der Sitzung der Regional- und Landesverbandspräsidenten erarbeitet wurde, sieht in den kommenden zwei Spielzeiten vier Drittliga-Aufsteiger und Absteiger aus der 3. Liga vor.

Ein fester Südwest-Aufsteiger, Los & Relegation

Der Meister der Regionalliga Südwest, die auf ihren bisherigen zweiten Relegationsplatz verzichten wird, steigt in den kommenden beiden Spielzeiten direkt auf. Hinzu kommen zwei feste Aufsteiger aus den übrigen vier Regionalligen. In der kommenden Saison hat zunächst die Nordost-Staffel einen direkten Aufstiegsplatz sicher. Welche Staffel den dritten festen Aufstiegsplatz in der Spielzeit 2018/19 erhält, soll im Vorfeld per Auslosung festgelegt werden. Die übrigen beiden Meister der Regionalliga-Spielzeit 2018/19, die dann in der Saison 2019/20 einen festen Aufstiegsplatz erhalten, ermitteln in einer Relegation aus Hin- und Rückspiel den vierten Aufsteiger.

Arbeitsgruppe arbeitet weiter an viergleisiger Regionalliga

"So werden in den kommenden zwei Spielzeiten zumindest vier von fünf Regionalliga-Meistern aufsteigen können", erklärt DFB-Vizepräsident Rainer Koch und betont eine "deutliche Verbesserung der Ist-Situation." Mit diesem Kompromiss scheint auch die 3. Liga gut leben zu können, die zuletzt harte Kritik äußerte. "Die zweijährige Übergangslösung gibt der Arbeitsgruppe die Zeit, eine mehrheitsfähige Lösung zu entwickeln. Wir sind uns einig, dass am Ende des Prozesses die Zielsetzung angestrebt werden muss, dass für die vier Absteiger eine direkte Möglichkeit des Wiederaufstiegs besteht", fügt der für die 3. Liga zuständige DFB-Vizepräsident Peter Frymuth hinzu. Eine Arbeitsgruppe unter seiner Leitung soll bis zum Ordentlichen DFB-Bundestag 2019 einen Vorschlag entwickeln, wie im Einvernehmen mit den Beteiligten der Übergang zwischen Regionalliga und 3. Liga durch ein Modell mit vier statt bislang fünf Regionalligen realisiert werden kann. Damit reagiert der DFB auf die Forderungen der 3. Liga.

"Entgegenkommen der Regionalverbände"

Und mehr noch: "Darüber hinaus sieht der Antrag vor, dass sich das DFB-Präsidium mit den von Seiten der Drittligisten vorgetragenen Maßnahmen zur nachhaltigen Stärkung der 3. Liga befasst", stellt Frymuth klar. Eine zufriedenstellende Lösung scheint zunächst gefunden – auch für die Staffel Nordost: "Wir sind uns aufgrund der Mehrheitsverhältnisse bewusst, dass dieser Antrag ein großes Entgegenkommen der anderen Regionalverbände für den Nordosten darstellt", sagt NOFV-Präsident Rainer Milkoreit. "Wir freuen uns, dass wir am Ende unserer hartnäckigen Bemühungen um eine konstruktive Lösung in der kommenden Spielzeit über einen festen Aufstiegsplatz verfügen und werden unseren Beitrag leisten, bis 2019 eine neue, gemeinsame Regelung zu finden."

 

Die Übergangslösung im Überblick:

Saison 2018/19

  • Direkte Aufsteiger: Meister Südwest, Meister Nordost, Meister Nord/West/Bayern mit Gewinner-Los*
  • Relegation: Meister Nord/West/Bayern mit Verlierer-Losen*

 

Saison 2019/20

  • Direkte Aufsteiger: Meister Südwest, Meister Nord/West/Bayern mit Verlierer-Losen* aus 2018/19
  • Relegation: Meister Nordost, Meister Nord/West/Bayern mit Gewinner-Los* aus 2018/19

*wird vor Saisonbeginn ausgelost

 

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  • Frank Bussmann

    Der eigentliche Grund für das Aufstiegsproblem sind doch bereits die vielen U23 Teams der Profi-Mannschaften. Die blähen alles künstlich auf, bringen keine/kaum Zuschauer und versperren vielen echten Amateurteams eine Entwicklung. Das jetzt ist kein Kompromiss, sondern Dummheit und Klientelpolitik des DFB im Quadrat. Die einzig echte Reform ist zunächst mEn. alle U23 Teams in einer eigenen Liga zusammenfassen, ähnlich der College-League in den USA. Die meisten Profiteams legen auf diese U23 sowieso keinen großen Stellenwert mehr (siehe z.B. die Abmeldung von RB), weil die Musik für die Talentschmiedenschon länger bei der U19 spielt. Dann gäbe es auf einen Schlag 18 Mannschaften weniger, alle Regionalligen addiert. Also wären es noch 4 Ligen und es gäbe kein Problem bei 4 Absteigern. Meiner Überzeugung nach müssten aber auch alle Teams aus den Regionalligen verschwinden, die sowieso nicht aufsteigen können oder wollen, dann bleiben vermutlich nur noch 3 Ligen oder sogar 2 übrig und man hat das ganze Dilemma nicht mehr. So schlecht fand ich die 2-glesige RL damals nicht, es gab zumindest viele interesassante Partien. Die RL Bayern z.B. ist der reine Größenwahsinn nur von Koch gewollt, mit einer fehlgeleiteten Vorstellung von Fußballdorfromantik für ein paar reiche Altbayern-mäzene, mit deren Spielzeugen (z.B. Garching, Illertissen). Die Fahrtstrecken sind z.B. gerade für die Franken nach Passau und Üchtelgstüchtelhausen fast genauso groß wie in der 3. oder 2.Liga. Das sind weder Derbys nocht sonst irgendwas, sondern nur Quatsch. Defacto läuft es natürlich auf eine 4.Profiliga hinaus, weil auch in den RLs, bei denen es um den Aufstieg geht bereits viel gezahlt wird. Aber warum sollen Vereine (.z.B. in Bayern so tolle Vereine wie Buchbach, Eichstätt, Garching, Seligenporten uvm.) in Ligen spielen dürfen, die den Wettbewerb gar nicht gewinnen dürfen? Man stelle sich einmal vor, dass sich Firmen bei einer staatlichen Ausschreibung mit Angeboten bewerben dürften und im Falle eines Zuschlags davon zurücktreten wollen. DAS IST WETTBERBSVERZERRUNG!

    • Michael Hirn

      Mit den U23 und den nicht tauglichen Vereinen hast du recht. Und was ist der DFB? Jeder Verein stimmt da mit, und die im oberen Bereich (also 3. Liga und bessere RL Vereine) haben da mit der Übermacht von Dorfclubs wenig zu melden. Darum gibt es ja die DFL für 1./2. Liga. Wäre sowieso gut, die 3. Liga vom DFB in die DFL zu transferieren, am besten sogar eine neue 4. Liga gleich mit. Denn ein Verband von vielen Dorfclubs, bei allem Respekt denn diese sind ja wichtig, darf mit ihrem Interessengezurre nicht über Profifußball bestimmen.

  • Michael Hirn

    Laut BILD ist der Favorit für 2020, eine vierte Profiliga mit zwei Staffeln einzuführen. Und das ist der richtige Weg. Sowohl bei 1-2-5 ist die Aufstiegsregelung einfach, wie auch der wirtschaftliche Fall für Absteiger nicht so groß.

  • INSIDER

    Ich werde den Eindruck nicht los, dass da noch einige vom DFB bei Vertretern der Süd-Weststaffel in der "Schuld" stehen! Warum wohl bestehen diese Herren vom DFB UNBEDIGT darauf, dass der Südwest-Meister aufsteigen MUSS, oder gibt es da noch nachträglich irgendwelche "Verpflichtung"…

    • Philipp Schramm

      Die gleiche Frage stelle ich mir auch, warum denn immer nur der Meister Südwest?
      Naja, auch egal. Hauptsache ist für mich, das auch in 2 Jahren, wenn die 4 Regionalligen "neu" aufgeteilt werden, das die Nord-Ost Liga BLEIBT. Von mir aus, sollen sie diese in "Regionalliga Ost" umbenennen, aber diese Regionalliga darf nicht aufgelöst werden.

      • Michael Hirn

        Da liegt aber das Problem, die Einwohnerzahl ist eigentlich zu klein. Bei einer fairen Aufteilung muß bei vier Staffeln etwas über 20 Mio, bei drei Staffeln 27 Mio und bei zwei Staffeln 40 Mio. Einwohner die Zielgröße sein. Aber Bayern ganz stark und auch Nordost blockieren derzeit eine bessere Lösung. Es spricht ja nichts dagegen, Ostdeutschland zusammen zu lassen, aber dann muß noch was dazu.

    • Ganz einfach …

      Der DFB sitzt in Frankfurt. Dort sind die Wege für die Herren, Damen und deren Kinder kurz.
      Kann mich natürlich auch täuschen und es liegt an der schier immensen Stärke dieser Liga, "welche eine Bereicherung für die dritte Liga" wäre.

    • Michael Hirn

      Das kommt daher, daß bei dieser die mit Abstand größte Zahl an Bevölkerung und Clubs dahintersteht. Ist denke ich zwingend.

  • Kolja Liebscher

    Alles auf NULL und endlich das getan was schon hätte vorher getan werden müssen:
    Eine durchdachte Neuregelung mit höchstens vier Regionalligastaffeln und dabei mit ALLEN vernünftig in Ost & Süd Nord & West des bundesdeutschen Fussballs reden.
    Natürlich ist es bis dahin Mist das die Aufstiegsspiele bleiben, aber, ich hatte es schon mehrfach geschrieben, den Gegenwind hätten die DFB-Bosse leider auch schon eher bekommen müssen.

    • Norbert Nowacki

      was ist eine durchdachte Neuregelung? genau darum geht es doch

      • Kolja Liebscher

        Na was da für heute auf dem Tisch lag war wohl eher nicht durchdacht.
        (im Sinne von "tragbare Lösung")

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