Beide Mannschaften hatten sich in diesem Duell im Eintracht-Stadion vorgenommen, mit einem Dreier Boden auf die in Liga 3 führenden Mannschaften aus Osnabrück, Ingolstadt und Heidenheim gutzumachen. Ganz anders als im Nachholspiel am Mittwoch gegen Burghausen traf dabei die Eintracht mit den Kickers aus Offenbach auf einen Gegner, der das Spiel sofort offensiv anging und die Hausherren in der Anfangszeit des Spiels in die eigene Hälfte drückte. Trainer Lieberknecht musste sein siegreiches Team auf der rechten Außenverteidiger-Position ändern, da Kapitän Dennis Brinkmann nach der 5. gelben Karte auf der Tribüne Platz nahm. Erstmals nach langer Zeit rutschte aufgrund der langen Löwen-Verletztenliste dort Jan Washausen in die Startelf. Offenbachs neuer Trainer Wolfgang Wolf, der am Main mit dem 3:0 Auftaktsieg (ebenfalls gegen Burghausen) neue Aufstiegshoffnungen geweckt hat, schickte sein siegreiches Team unverändert auf den rasengeheizten Platz.
12.000 Zuschauer an der Hamburger Straße sahen bereits in der 2. Spielminute die erste Chance der Kickers. Die Eintracht brachte über links mit ihrem erstmalig zusammenspielenden Gespann Washausen/Morabit den nach vorne stürmenden Kickers-Außenverteidiger Teixeira nicht unter Kontrolle. Der von ihm erfolgreich angespielte Strafraumstürmer Mesic schaffte es aber in der Drehung nicht, mit einem optimalen Torschuss abzuschließen. Das junge Eintracht-Team begann zu nervös und spielte zudem zu kompliziert nach vorne. In der 5. Minute beging Henn einen kapitalen Fehlpass, den die überraschten Kickers-Angreifer aber nicht zu nutzen wussten. Ab der 10. Minute spielte Braunschweig gefälliger mit, wobei sich die rechte Offensivseite Bellarabi/Kumbela hervortat. Beide kombinierten mit einem Doppelpass, nach dem Bellarabi rechts frei war. Die anschließende Flanke verunglückte dem U-23-Spieler aber. Besser machte der gleiche Spieler es aber in der 12. Minute, nachdem nach wiederum sehr guter Vorarbeit von Kumbela sein Zuspiel in der Mitte Sturmführer Kruppke fand. Der schoss aber - in der Mitte völlig freistehend - knapp über das Tor von Wulnikowski.
Nun war die Eintracht am Drücker, die Kickers zogen sich weiter in die eigene Hälfte zurück. Besonders Ulm gelang es aber immer wieder, gute Konter zu fahren. Die Eintracht-Abwehr um die sicheren Innenverteidiger Dogan und Henn und den defensivstarken Pfitzner ließ sich aber dabei nicht überrumpeln. Die Kickers wehrten sich gegen das aufkommende Eintracht-Übergewicht vor dem eigenen Strafraum nun immer öfter mit Foulspielen. Die hereinsegelnden Freistösse wurden aber einer nach dem anderen von Heitmeier und Kopilas geklärt oder Beute vom gewohnt sicher agierenden Keeper Wulnikowski. So kam Mirko Boland, der bei den Braunschweigern eigentlich im zentralen Mittelfeld für die kreativen Elemente sorgen sollte, aus dem Spiel heraus nicht zur Entfaltung. Dabei wirkte auch der Schiedsrichter Beitinger unsicher, der in mehreren heiklen Situationen einfach weiterspielen ließ. Erst in der 20. Minute kamen die Offenbacher selbst wieder gefährlich vor das Eintracht-Tor. Zinnow konnte aber aus einem Freistoss von rechts kein Kapital schlagen.
Danach beruhigte sich das Spiel. In der 24. Minute lief ein sehr schöner Spielzug der Löwen über Henn, Boland und Kruppke, dessen abschließender Schuss erst im letzten Moment von Kopilas zur Ecke geklärt werden konnte. Der starke Kumbela war bei der Eintracht vorne ständig anspielbereit und wechselte die Seiten, wurde aber aus dem zentralen Mittelfeld zu selten richtig in Szene gesetzt. In der 25. Minute hatte er dann eine Großschance, nachdem die Eintracht einen Kickers-Konter abgeblockt hatte und die Offenbacher Abwehr vorgerückt vorfand. Nun hatte auch das Publikum Feuer gefangen und skandierte „Jetzt geht´s los!”. Allerdings konnte im heutigen Spiel besonders Kruppke im Strafraum gute Zuspiele nicht verwerten. Besonders in der 26. Minute, als Pfitzner mit einem schönen Pass Kumbela auf die Reise schickte, der dem heutigen Eintracht-Kapitän eine schöne Flanke servierte.
Braunschweig war jetzt deutlich die dominierende Mannschaft, ohne wirklich zum Abschluss zu kommen. In der 28. Minute legte Boland zurück auf den offensiver werdenden Abwehrchef Dogan, der aus 35 Metern Wulnikowski mit einem Weitschuss prüfte. Zwei Minuten später wurde Ulm rechts vor dem Eintracht-Strafraum gelegt. Den fälligen Freistoss konnte der bisher wenig geprüfte Eintracht-Torhüter Petkovic zwar aus seinem 5-Meter-Raum fausten, war aber auf Pfitzners Hilfe angewiesen, der den Ball dann vor dem anstürmenden Mesic endgültig aus der Gefahrenzone beförderte. In der 34. Minute tauchte wieder Kumbela gefährlich über rechts vorm Kickers-Strafraum auf. Sein Zuspiel fand aber nicht den freien Kruppke, der bereits zu weit nach vorn gelaufen war. In der 40. Minute nahm nach zwei hintereinander folgenden Einwürfen vom blau-gelben Rechtsverteidiger Washausen Mark Pfitzner den Ball aus 30 Metern volley, der Ball ging aber weit am Kickerstor vorbei. Die letzte Chance in der ersten Hälfte hatte wiederum mit Kumbela - der bis dahin beste Löwenspieler. Sein gefährlicher Drehschuss verfehlte Wulnikowskis Tor nur knapp.
In der zweiten Halbzeit brachten beide Trainer neue Spieler. Bei den Kickers ersetzte Pospischil im Mittelfeld den farblosen Zinnow, bei der Eintracht Nachwuchsspieler Kragl den auf der linken Mittelfeldseite wiederum enttäuschenden Tempodribbler Morabit. Die Wechsel zeigten keine Wirkung, denn das Spiel verlor die Energie und Dynamik der Schlussviertelstunde der ersten Halbzeit. Kragl fand dabei überhaupt keine Bindung zum Spiel! Einziges Achtungszeichen war in der 47. Minute ein Kickersschuss aus der 2. Reihe von Ulm. Beide Eintracht-Außenverteidiger lieferten sich in der Folgezeit böse Fehlpässe, die aber Kickers Offenbach nicht zu nutzen wusste. In der 55. Minute erhielt Koilas nach einem rüden Foul an Kumbela im Mittelkreis die gelbe Karte. In der 57. Minute klärte Bellarabi eine gefährliche Kickers-Ecke von links in höchster Not. Die Fehlpässe bei der Eintracht häuften sich nun. In der 60. Minute schlug Washausen, der besonders mit dem offensiven Kickers-Außenverteidiger Teixeira seine Probleme hatte, über den Ball. Der souverän agierende Dogan entschärfte die daraus entstehende brenzlige Situation für die Eintracht.
Nun verflachte das Spiel immer mehr. Nach einer Kruppke-Chance, der eine Kumbela-Flanke aufnahm und Wulnikowski ernsthaft prüfte, gab es erst in der 77. Minute wieder Aufregung bei den Zuschauern. Bellarabi setzte sich rechts mit einem technisch feinen Trick gegen 3 Gegenspieler durch und bediente Boland, der aber abgeblockt wurde und benommen am Boden liegen blieb. Die Trainer versuchten nun, mit weiteren Wechseln das Spiel noch einmal zu beleben. Dabei wurde der erst in Halbzeit 2 eingewechselte Kragl von Löwen-Coach Lieberknecht wieder vom Feld geholt und durch den Defensiven Reichel ersetzt. Wolf holte Haas vom Platz, der nach einigen Foulspielen kurz vor einer roten Karte stand. Wenig später köpfte Kopilas im Strafraum der Löwen auf das Tor von Petkovic - es sollte die letzte Chance der Kickers in diesem Spiel bleiben. Auch die abschließenden Spielerwechsel fruchteten hier nicht mehr. Kumbela versuchte noch einmal, die sichere Kickers-Abwehr über die linke Seite zu knacken - spielte aber nun einfach zu eigensinnig. Nur Pfitzner gelang es kurz vor Spielschluss noch einmal, Torgefahr heraufzubeschwören. Er spielte sich über die rechte Seite durch, zog aber schließlich über das Tor. Eintracht hatte im gesamten Spiel ein Chancenplus, konnte aber nicht einnetzen und sich dadurch eher an Offenbach und die Spitzengruppe heranarbeiten. Beide Trainer waren der Meinung, dass das Spiel nach den gezeigten Leistungen auch keinen Sieger verdient gehabt hätte. Wolf brachte zudem die schlechte Platzqualität als Argument dafür, warum seine Mannschaft nicht so gut hätte kombinieren können. Lieberknecht sah seine junge Mannschaft spielerisch und kämpferisch in Halbzeit 1 mit einer zufrieden stellenden Leistung. Sie hätte aber in der zweiten Hälfte zu sehr mit langen Bällen operiert. Offenbach sei ja auch als Gegner nicht irgendwer - sein Team hätte den Respekt nicht entscheidend ablegen können. Offenbach hielt sich mit dem Ergebnis dieser Partie die Eintracht in der Tabelle vom Leib. Braunschweig ist nun gezwungen, gegen jede Gewohnheit auch einmal auswärts einen Dreier einzufahren - will das Team noch eine realistische Chance auf den Aufstieg behalten. Ob dies aber gerade im nächsten Spiel bei der Spitzenmannschaft aus Ingolstadt der Fall sein wird?
JURO
Aufstellung Eintracht Braunschweig:
Petkovic - Washausen, Henn, Dogan, Theuerkauf - Bellarabi (86. Banser), Pfitzner, Boland, Morabit (46. Kragl/ 78. Reichel) - Kumbela, Kruppke
Aufstellung Kickers Offenbach:
Wulnikowski - Huber, Kopilas, Heitmeier, Teixeira - Haas (72. Pfingsten) - Zinnow (46. Pospischil), Ulm, Moosmayer (57. Schutzbach) - Hesse, Mesic