9. Januar 2016 um 13:38 Uhr

Hinrundenfazit Aalen: Kleiner Kader verhindert Kontinuität

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© imago/Eibner

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Der VfR Aalen hat seine Hinrunde auf dem 13. Tabellenplatz beendet. Nachdem sich die Elf von Peter Vollmann lange in der oberen Tabellenhälfte und im Verfolgerkreis der Spitzenteams befand, sorgte ein wenig zufriedenstellender Spätherbst für den tabellarischen Absturz. liga3-online.de analysiert im Hinrundenfazit, an welchen Stellschrauben auf der Ostalb nun gedreht werden muss.

Das lief gut

Die Defensive des Zweitliga-Absteigers präsentierte sich (fast) immer solide und fiel nur selten ab. Einzig bei der 0:4-Niederlage, als der VfR bei Spitzenreiter Dynamo Dresden unter die Räder geriet, zerfiel das Bollwerk in seine Einzelteile. Insgesamt 20 kassierte Treffer in 21 Spielen bedeuten nach Adam Riese einen Schnitt von weniger als einem Gegentor pro Spiel. Das kann sich durchaus sehen lassen! Besonders unter den Umständen, dass Trainer Peter Vollmann innerhalb kürzester Zeit eine zum Großteil neu zusammengewürfelte Mannschaft zu einer Einheit formen musste.

Parallel dazu geriet die heimische Scholz-Arena zu einer kleinen Festung: Von den ersten neun Heimspielen verlor der VfR Aalen kein einziges, erst Fortuna Köln entführte beim 2:0-Auswärtssieg als erste Mannschaft drei Zähler vom Platz der Schwarz-Weißen. Diese gute Bilanz wird jedoch etwas relativiert, betrachtet man die hohe Anzahl an Unentschieden auf dem eigenen Geläuf: Drei Siege, sechs Remis und eine Niederlage bedeuten einen Punkteschnitt von 1,5 Zählern pro Heimspiel – das ist höchstens durchschnittlich.

Das lief schlecht

So hoch die Defensive um Torhüter Daniel Bernhardt gelobt werden kann, so sehr mangelt es den Aalenern allerdings an offensiver Durchschlagskraft: 19 Treffer stehen zum Jahreswechsel lediglich auf der Habenseite – logisch, dass den Baden-Württembergern allen voran ein echter Knipser fehlt. Einzig Dominick Drexler erzielte mehr als drei Treffer, teils vielversprechende Neuzugänge wie Matthias Morys und Mika Ojala lieferten noch keine konstanten Leistungen und vor allem zu wenige Tore ab.

Mehr unnötig als schlecht verliefen darüber hinaus die letzten Begegnungen vor der Winterpause: Vier Eigentore erzielte der VfR Aalen in drei Spielen und brachte sich so insgesamt um sieben mögliche Punkte – das hätte statt dem dreizehnten Rang auch durchaus einen Platz im oberen Tabellendrittel bedeuten können! Überhaupt ging die Vollmann-Elf seit dem Oktober auf dem Zahnfleisch: Die letzten sieben Spiele konnten nicht gewonnen werden.

Bewertung der Neuzugänge

Es wäre müßig, hier jeden einzelnen Neuzugang aufzuzählen: 14 Verpflichtungen tätigte der VfR insgesamt – mit 24 Spielern war der Kader dennoch sehr dünn besetzt. Wer enttäuschte? Sicherlich Talent Dwayn Holter, der die Vorbereitung verletzungsbedingt zu großen Teilen verpasste und sich danach nicht mehr in den Fokus von Vollmann spielen konnte – sein Vertrag wurde in dieser Woche vorzeitig aufgelöst. Der große Rest durfte bereits spielen – allein im jüngsten Heimspiel gegen Fortuna Köln standen mit Morys, Randy Edwini-Bonsu, Gerrit Wegkamp, Markus Schwabl, Thorsten Schulz, Alexandros Kartalis und Fabian Menig sieben (!) Verpflichtungen in der Startelf. Besonders Wegkamp besitzt noch viel Steigerungspotenzial. Und auch Robert Müller, vom SV Wehen Wiesbaden gekommen, überzeugte in seinen 15 Einsätzen noch nicht restlos.

Der beste Spieler

Dominick Drexler stand in 16 Begegnungen auf dem Feld und war in acht dieser Partien an Toren des VfR beteiligt: Fünf Tore und fünf Vorlagen sammelte der 25-Jährige in der Hinrunde. Eine gute Basis für den gesamten Teamerfolg: Nur ein Spiel verloren die Aalener, wenn Drexler mitwirkte. Eine gute Hinrunde krönte er mit zwei Gala-Auftritten in Cottbus sowie zuhause gegen den SV Wehen Wiesbaden. Und die fünf Begegnungen, die Drexler nicht absolvierte? Die konnten allesamt nicht gewonnen werden. Das unterstreicht den immensen Stellenwert Drexlers in der Mannschaft.

Der schwächste Spieler

Osnabrück, Düsseldorf, Duisburg, Bayern Münchens Reserve: Diverse Vereine hat der erst 23-jährige Gerrit Wegkamp bereits in seiner Vita stehen, selbst Bundesliga-Luft schnupperte der gebürtige Westfale bereits. Einzig der Durchbruch, auf diesen wartet Wegkamp weiterhin – und auch in Aalen ist ihm dieser bisher nicht geglückt. Zwei Tore in 15 Spielen sind für einen Mittelstürmer nicht ausreichend, seinen Stammplatz verlor Wegkamp zuletzt ebenfalls. Er muss sich noch deutlich steigern.

Fazit

Es war schwer abzusehen, wohin der Weg des zusammengewürfelten VfR Aalen führen würde. Aufstiegshoffnungen oder Abstiegskampf? Bei dem dünnen Kader, der jedoch mit einigen für die Dritte Liga herausragenden Einzelspielern gespickt ist, war alles möglich. Nach der Hinrunde steht fest: Es ist ein Mittelding geworden. Der Start ließ kurzzeitig die Hoffnungen auf einen Wiederaufstieg entflammen, aber zuletzt zeigte sich: Vor allem in der Breite fehlt den Württembergern die Qualität, um personelle Ausfälle oder Formschwächen der Stammspieler entsprechend ausbügeln zu können. Trotz der Negativserie mit nur einem Sieg aus elf Spielen setzte der VfR jedoch ein Ausrufezeichen und verlängerte den Vertrag mit Übungsleiter Vollmann vorzeitig bis 2017 – Kontinuität soll rund um die Scholz-Arena großgeschrieben werden.

Prognose

Wie geht es weiter für den VfR? Zur Winterpause sind personell keine großen Schritte möglich, das steht fest. Die Abstiegsränge befinden sich fünf Punkte entfernt, zum Relegationsrang 3 sind es nunmehr neun Zähler. Der Blick geht somit vorerst nach unten. Fakt ist: Die Qualität des VfR sollte im Normalfall problemlos für einen Klassenerhalt ausreichen. Doch die Konkurrenz schläft nicht und verstärkt sich. Mit den Stuttgarter Kickers, Hansa Rostock, Energie Cottbus und Holstein Kiel stehen zudem eine Reihe an Vereinen hinter den Schwarz-Weißen, die ebenfalls das Zeug für eine deutlich stärkere Rückrunde besitzen. Zu sicher sollten sich Vollmann und Co. daher nicht sein, und im Idealfall schon bis zum Frühlingsanfang Kurs auf die obere Tabellenhälfte nehmen.

 

 

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