21. Dezember 2015 um 10:06 Uhr

Hansa: Körpersprache und Leidenschaft sind wieder da

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© Ahrens

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Dank eines Traumtores durch Maik Baumgarten besiegte der F.C. Hansa Rostock am 21. Spieltag der 3. Liga den Chemnitzer FC mit 1:0. Hansa überwintert durch den Dreier auf einem Nichtabstiegsplatz und feierte zugleich einen halbwegs versöhnlichen Jahresabschluss mit seinen Fans.

"Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal einen Punktspielsieg bejubeln durfte. Das Gefühl kannte ich gar nicht mehr. Und jetzt so kurz vor Weihnachten ist das natürlich ein Traum“, strahlte ein glücklicher Marcus Hoffmann nach Abpfiff in die Kameras. Und wahrlich: Das was Hansa am Samstag den rund 11.600 Fans im Ostseestadion bot, sah im Vergleich zum Unentschieden in Bremen (1:1) wieder nach Fußball aus. Hansa begann sehr schwungvoll und keinesfalls gehemmt, obwohl sie zuvor die wenigsten Siege aller Drittligisten eingefahren hatten. Über weite Strecken boten die Kooge ein schnelles Umschaltspiel, einzig an der Chancenverwertung mangelte es an diesem frühlingshaften Dezembertag. So vergaben Soufian Benyamina und Kapitän Tobias Jänicke die wohl dicksten Szenen in der ersten Hälfte. Die erste Torchance der Gäste bot sich bezeichnenderweise kurz vor dem Seitenwechsel.

Brands richtiger Riecher = Baumgartens Traumtor

"Wir haben uns viele Chancen erarbeitet, zwar nicht hundertprozentige, aber einige gute. Und Gott sei Dank hatten wir heute jemanden, der das Tor getroffen hat“, fasste Jänicke den Auftritt der Rostocker zusammen. Und dieser Jemand wurde in der 51. Minute für den verletzten Marco Kofler eingewechselt. "Der Trainer hat mir gesagt, dass ich einfach mal schießen soll, wenn ich reinkomme. Der war dann drin und ich bin überglücklich“, kommentierte Maik Baumgarten sein goldenes Tor. Für ihn war das 1:0 sein erster Saisontreffer – und was für einer! Kein Gegenspieler fühlte sich für ihn in der 63. Spielminute verantwortlich und so zog der 22-Jährige aus der Entfernung mit einem satten Rechtsschuss einfach mal ab. Ein Traumtor.

Obwohl letzter Knockout fehlte, trotzdem überzeugt Hansa mit Leidenschaft

Die Chemnitzer, die seit sieben Spielen in der Ferne auf einen Sieg warten, mussten nun offensiver werden. Den Rostockern boten sich durch die freien Räume zahlreiche Kontermöglichkeiten, die jedoch ungenutzt blieben. Und dennoch: Hansa spielte an diesem Nachmittag mit einer ganz anderen Körpersprache. Die Leidenschaft war wieder da. Das Team um Trainer Brand wollte den Sieg, das war spürbar im ganzen Stadion und wurde von den Fans honoriert. "Wir können jetzt durchatmen, denn heute haben wir Vollgas gegeben. Das spürten auch die Zuschauer. Insofern war es ein guter Nachmittag für alle“, so Brand sichtlich zufrieden nach der Partie.

Brands Systemumstellung auf 3-5-2

"Das ist natürlich immer abhängig vom Gegner. Gegen Chemnitz hat das sehr gut gepasst und es ging so auf, wie wir es uns vorgenommen hatten“, so Brand, der mit Matthias Henn, Dennis Erdmann und Marcus Hoffmann drei Innenverteidiger aufs Feld schickte. Im Gegensatz zu den vergangenen Partien, in denen die Hanseaten zumeist ein 4-4-2 oder ein 4-2-3-1-System praktizierten, machte Rostocks neuer Chefcoach mit der Umstellung seines Spielsystems alles richtig. Auch wenn es für den ein oder anderen Spieler eine Umgewöhnung bedeutete. „Wenn man sein Leben lang Außenverteidiger spielt und immer jemanden vor sich hat, ist das natürlich eine andere Situation, als wenn man da jetzt häufig allein auf der Seite ist“, erklärte Rechtsverteidiger Maximilian Ahlschwede. Für ihn bedeutete es mehr Laufarbeit, da er die gegnerische Offensive immer im Auge behalten musste und im Umkehrschluss erwartet wurde, dass er sich ebenfalls in die Offensivanstrengungen der Hanseaten einbrachte. Mit Humor fasste Innenverteidiger Dennis Erdmann die neue Ausrichtung zusammen: „Mit drei Innenverteidigern ist Deutschland, meine ich, Weltmeister geworden. Und auch wenn wir nicht Boateng und Alaba heißen, haben wir das heute ganz gut gelöst.“

Gut für die Psyche: Überwintern überm Strich

"Da brauchen wir gar nicht drüber reden. Das ist nicht egal. Wir gucken uns jetzt fünf Wochen die Tabelle an. Das ist schon ein Unterschied, ob man unter dem oder über dem Strich steht“, sagte Hoffmann augenzwinkernd. Für die Kogge, die aus den vergangenen 16 Partien nur einen Sieg holte, war der Dreier kurz vor Weihnachten immens wichtig. Sie waren an diesem Nachmittag unter Zugzwang, da der unmittelbare Konkurrent im Tabellenkeller Stuttgart II gegen Preußen Münster gewann. Die Hanseaten haben nun Zeit zum Durchatmen. "Das Spiel heute war der nächste Schritt nach der Partie gegen Bremen. Wir kommen Stück für Stück weiter. Die Jungs haben sich heute belohnt für die Arbeit in den vergangenen zwei Wochen“, so Brand. Am 3. Januar 2016 starten die Rostocker wieder in den Trainingsbetrieb.

 

 

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