11. August 2017 um 13:49 Uhr

Fortunas Raketenstart: Die drei Faktoren für den Erfolg

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© imago/Worsch

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Zehn Punkte aus den ersten vier Spielen bedeuten für die Fortuna der beste Saisonstart seit dem Drittliga-Aufstieg 2014. Koschinats neue Generation berauscht derzeit die Südstadt. Dass die Kölner mit ihrer neuformierten Mannschaft einen derartigen Raketenstart hinlegen, war so nicht zu erwarten. liga3-online.de hat die Erfolgsfaktoren analysiert.

Erfrischender Fußball und eine hohe Laufbereitschaft

Ein zweistelliges Punktekonto nach vier Spieltagen, selbst die Vereinsverantwortlichen der Fortuna hätten damit wohl kaum gerechnet. Den Kölnern ist der erhoffte starke Start geglückt. Logisch, dass Trainer Uwe Koschinat mit der ersten Saisonphase zufrieden ist: "Die Mannschaft hat die taktischen Vorgaben gut umgesetzt. Wir hatten eine hohe Variabilität im Ballbesitzspiel. Zudem zeigt die Anzahl unserer Torschützen, dass wir ein stückweit unberechenbarer geworden sind“, analysiert der 45-Jährige. Die Fortuna überraschte in den ersten vier Spielen mit erfrischendem Fußball, geprägt durch eine intensive Spielweise und einer hohen Laufbereitschaft. Stichwort Variabilität: Die bislang acht Saisontore verteilen sich auf sechs Schützen. Vor allem aber die Lust auf die Liga war in den ersten Partien bei allen Spielern spürbar. Auffällig ist auch die gute Harmonie innerhalb der Truppe. Geht man detaillierter in die Analyse, kann man den derzeitigen Erfolg der Kölner an drei Faktoren festmachen:

Maik Kegel – Fortunas Anker und Punktegarant

In der letzten Saison fehlte er noch über zehn Monate aufgrund eines Kreuzbandrisses. Jetzt ist er wieder da, und wie! Maik Kegel ist derzeit Fortunas Taktgeber. "Er hat eine außergewöhnliche Präsenz auf dem Platz, verliert nie die Ruhe und denkt immer zwei, drei Schritte voraus“, äußert sich Koschinat lobend über seinen Führungsspieler und umschreibt ihn als "Anker". Kegels Ballsicherheit und Übersicht in der Mittelfeld-Zentrale verleihen der jungen Mannschaft aktuell die nötige Ruhe. Bemerkenswert: Mit ihm in der Startelf hat die Fortuna einen überdurchschnittlich hohen Punkteschnitt von 2,09 Zählern pro Partie. Vor der Saison hat sich der 27-Jährige gezielt die Nummer Zehn gekrallt. Ein Signal welches deutlich machen soll, dass er in dieser Spielzeit mehr Verantwortung übernehmen will. Dank Kegel besitzt die Fortuna auch eine neue Waffe. Die Kölner mausern sich derzeit zu den Eckball-Spezialisten der Liga. Drei ihrer acht Saisontore erzielten die Kölner nach einer Kegel-Ecke. Der Saisonstart unterstreicht, wie wichtig "Kegler" für das Fortuna-Gerüst ist.

Tim Boss – beflügelt durch den neuen Status

Letztes Jahr war er nur die 1b, in dieser Saison ist Tim Boss die klare Nummer Eins im Kasten der Fortuna. Der neue Status und der damit verbundene höhere Druck machen dem 24-Jährigen offenbar nichts aus. Der gebürtige Kölner zeigte vom ersten Spiel an starke Leistungen, bewahrte bislang in jedem Spiel seine Mannschaft vor einem möglichen Rückstand. Die ersten drei Spiele ohne Gegentor dürften sein Selbstbewusstsein weiter gesteigert haben. Auch das Training mit seinem ehemaligen Konkurrenten und neuen Torwart-Trainer Andre Poggenborg wirkt sich bereits nach wenigen Wochen aus. Boss hat an seiner Präsenz und Ausstrahlung auf dem Platz gearbeitet. Einzig beim letzten Spiel in Unterhaching wackelte er, nachdem er den Schuss von Schimmer nicht festhalten konnte und Hain anschließend zum 2:2-Endstand abstaubte.

Next Generation – Vier Neue schlagen direkt ein

Dominik Ernst, Robin Scheu und Daniel Keita-Ruel – Diese drei Spieler stehen sinnbildlich für den neuen Weg der Fortuna. Alle drei Akteure kamen ohne echte Drittliga-Erfahrung zu den Kölnern. Die bisherigen Aufgaben, die sie bisher von ihren Gegnern in der neuen Liga gestellt bekommen haben, lösten sie mit Hilfe ihrer frechen und unbekümmerten Spielweise. Scheu und Keita-Ruel konnten sich sogar schon in die Torjägerliste eintragen. Bei der Zusammenstellung der Mannschaft scheint Koschinat den perfekten Mix gefunden zu haben. "Es fühlt sich so an, als ob wir schon ein oder zwei Jahre zusammenspielen“, sagte Keita-Ruel nach dem Spiel in Unterhaching dem vereinseigenen TV-Kanal. Manuel Farrona Pulido, der einzige Neuzugang mit Drittliga-Erfahrung, lässt sich förmlich anstecken von der Euphorie der anderen Neuzugänge. Der ehemalige Magdeburger präsentiert sich extrem spielfreudig und zeigt auf Anhieb die von ihm geforderte Qualität die den Unterschied ausmachen soll. So zu sehen bei seiner Solo-Vorabreit zum 2:0 in Jena oder auch bei seinem Schlenzer zum 1:0 gegen Osnabrück.

Koschinat: „Hatten auch das nötige Matchglück“

Die große Frage ist: Kann die Fortuna die explosionsartige Entwicklung bestätigen? In dieser Saison gerierten die Kölner bislang noch nicht in Rückstand. Wie reagiert die Mannschaft auf solch ein Negativerlebnis? Koschinat kann den derzeitigen Erfolg gut einordnen und verschließt nicht die Augen vor den Problemen: "Wir wissen, dass wir in der ein oder anderen Partie das nötige Matchglück hatten.“ Die Startprobleme in den Spielen gegen Osnabrück und Unterhaching, als seine Mannschaft in der Anfangsphase nicht die nötige Intensität auf dem Platz bringen konnte, sind dem Fußballlehrer nicht verborgen geblieben. "Wir müssen daran arbeiten unsere Abläufe weiter zu verfeinern und es noch deutlicher schaffen unsere Dominanz bei eigenen Ballbesitz durchzuziehen.“ Die nächste Gelegenheit ergibt sich am kommenden Freitag. Dann gastiert der Karlsruher SC im Südstadion. Dort wollen die Kölner an ihren starken Saisonstart anknüpfen. Sollte die Fortuna auch gegen den Zweitliga-Absteiger ungeschlagen bleiben, winkt erneut die Tabellenführung.

 

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