3. September 2017 um 09:05 Uhr

Diese Stars hat die 3. Liga hervorgebracht

Von
© imago/Fishing4

© imago/Fishing4

Auch im zehnten Jahr der 3. Liga werden wieder einige hoffnungsvolle Talente ihren Weg gehen. Dass es wieder eine Handvoll auserwählter Spieler, vielleicht auch deutlich mehr, in die 2. Bundesliga oder gar noch höher ziehen wird, ist abzusehen. Blickt man in die bald zehn Jahre eingleisiger Drittliga-Historie zurück, so tauchen Namen auf, die im Jahr 2017 teilweise auf eine stattliche Anzahl an errungenen Titeln verweisen können. Keine Frage: Viele heutige Stars entstammen den Nachwuchsakademien der Bundesligisten. Wir listen die zehn besten Spieler auf, die die 3. Liga hervorgebracht hat.

Mensch, hat der Müller ein Seuchenjahr hinter sich! Nur acht Tore und 14 Vorlagen waren ihm beim FC Bayern im vergangenen Jahr vergönnt. Kein Wunder, dass sein Marktwert von 75 auf dramatische 50 Millionen Euro abgestürzt ist. Nun: Seit er im Eröffnungsjahr 2008/09 mit 15 Treffern zu einem der besten Drittliga-Torschützen avancierte, ist Müller beim Rekordmeister dennoch nicht mehr wegzudenken. 150 Pflichtspieltreffer, sechs Meisterschaften, vier Pokalerfolge – die Champions League, die Klubweltmeisterschaft und natürlich die "echte" WM in Brasilien 2014 hat er ebenfalls eingesackt. Alles begann am 27. Juli 2008 vor 3.000 Zuschauern mit einem 2:1-Sieg über Union Berlin. Erster Torschütze war: Thomas Müller.

 

So gefürchtet wie Wladimir Klitschkos linke Faust lange Jahre im Boxen war, so sehr fürchten Torhüter die linke Klebe vom Österreicher David Alaba. Auch er ging seine ersten Schritte in der Reserve des FC Bayern München, verließ den Klub danach bis auf eine halbjährige und höchst erfolgreiche Leihe zur TSG Hoffenheim nicht mehr. Sein Potenzial wusste der heute 25-Jährige schon 2009 anzudeuten, als er mit 17 Jahren und knapp zwei Monaten zum bis heute jüngsten Drittliga-Debütanten wurde. Nach nur drei Spielen hatte Alaba bereits einen Treffer erzielt und drei vorgelegt – schnell wurde deutlich, dass ein weiteres Talent der Kategorie Thomas Müller vor seinem Durchbruch steht. Der Lohn ist neben vielen Vereinstiteln die sechsmalige Ernennung zu Österreichs Fußballer des Jahres.

 

Zuletzt bei Bayer Leverkusen, jetzt bei RB Leipzig: Kevin Kampl ist und bleibt mit seinen 26 Jahren ein Wandervogel im Profigeschäft. Ausgebildet in Leverkusen, gescheitert bei Greuther Fürth, erwachsen geworden beim VfL Osnabrück – Kampl legte seine Reifeprüfung in der Saison 2011/12 ab, als er den VfL als Lenker im Mittelfeld immerhin ins obere Tabellendrittel zu führen wusste. Der VfR Aalen kaufte ihn ab, Kampl startete drei Spiele durch, Red Bull Salzburg klingelte an und bescherte Aalen binnen weniger Wochen ein Millionenplus. Über Borussia Dortmund landete der Slowene in Leverkusen. Zwei österreichische Meisterschaften sowie Pokalsiege kann er vorweisen.

 

Ein begnadeter Fußballer, um den die Meinungen weit auseinandergehen: Hakan Calhanoglu sorgte mit seinen 23 Jahren bereits für einige Kontroversen. Alles begann recht unscheinbar in den Juniorenauswahlen des Karlsruher SC, ehe Calhanoglu in der 2. Bundesliga debütierte. Der KSC stieg ab. Und der Deutsch-Türke ging den vielleicht wichtigsten Schritt in seiner noch jungen Karriere: Er blieb Karlsruhe treu. 2012/13 wurde zu seinem ganz persönlichen Überflieger-Jahr in der 3. Liga. Der Haken: Zu diesem Zeitpunkt hatte ihn der Hamburger SV schon verpflichtet, Calhanoglu war lediglich ein weiteres Jahr an die Wildpark-Elf ausgeliehen. 2014 klagte sich der Mittelfeldmann schließlich mit ominösen Rückenschmerzen frei, um nach Leverkusen wechseln zu dürfen. Jetzt läuft er für den AC Mailand auf.

 

Wo Kontroversen vorzufinden sind, ist Sandro Wagner meist nicht weit entfernt. Als er zum SV Werder Bremen wechselte, hatte Wagner beim MSV Duisburg bereits erfolgreich Zweitliga-Luft geschnappt. Es folgte eine Karrierephase, in der kaum noch jemand einen Euro auf das Sturmtalent Wagners gesetzt hätte. In Bremen wurde er phasenweise zur Reserve in die 3. Liga geschickt, auch in Kaiserslautern und bei Hertha BSC verspotteten ihn die Fans als Flop. Dann kam Darmstadt 98. Ausgerechnet beim Underdog avancierte Wagner zum Torjäger. Der darauffolgende Wechsel zur TSG Hoffenheim zahlte sich voll und ganz aus, brachte ihn kürzlich sogar in die Nationalmannschaft. Wagner ist überdies auch charakterlich gereift, aus dem einst überheblich anmutenden Charakterzug ist Führungsstärke geworden.

 

Weil der VfB Stuttgart II deutlich länger als alle anderen Zweitvertretungen in der 3. Liga teilnahm, gingen aus seiner Talentschmiede entsprechend mehr Hoffnungsträger hervor. Einer aus der Jugendakademie hat es nicht nur zum aktuell 17-fachen deutschen Nationalspieler gebracht, sondern steht darüber hinaus beim Englischen Meister FC Chelsea unter Vertrag: Antonio Rüdiger, der zwischen 2011 und 2013 in 21 Spielen der 3. Liga auf dem Rasen stand. Auch bei ihm wurde schnell klar, der Innenverteidiger besitzt immenses Potenzial. Als Stammspieler in der Bundesliga zog es ihn zum AS Rom in die Serie A – und von dort aus nun weiter nach London, um dort als Favorit um die Meisterschaft zu kämpfen.

 

Von der 3. Liga direkt zwischen die Pfosten eines Champions League-Teilnehmers: Bernd Leno und Bayer Leverkusen wagten im Sommer 2011 gewaltige Schritte, als sie sich auf eine gemeinsame Zusammenarbeit einließen. Torhüter Leno hatte bis dahin nicht mehr als anderthalb Spielzeiten zwischen den Pfosten des VfB Stuttgart II absolviert, insgesamt war er auf 57 Drittliga-Einsätze gekommen. Zunächst war lediglich eine Ausleihe geplant, um den verletzten René Adler zu vertreten. Leno kam, sah und beendete die Ära Adler – wenige Monate später einigte sich Leverkusen mit Stuttgart auf eine feste Verpflichtung. Acht Millionen Euro flossen, mehr wurde bis heute nie für einen Drittliga-Spieler bezahlt. Leno ist seit 2011 ohne Ausnahme als Stammtorhüter gesetzt, flog für Deutschland gar zum Confederations Cup – allerdings trotz des Titels nur mit mäßigem persönlichen Erfolg.

 

Ein dritter aktueller Nationalspieler fand seinen Ursprung ebenfalls in der Drittklassigkeit: Der 27-jährige Sebastian Rudy, zwischen 2008 und 2010 22 Mal für die Zwote der Schwaben am Ball. Die Treue zum Ausbildungsverein hielt er jedoch nicht lange, die TSG 1899 Hoffenheim warb das Talent bereits 2010 ab. Nach sieben Jahren, die er überwiegend in der Startelf verbracht hat und die ihn zu 20 Einsätzen in der deutschen Nationalmannschaft führten, versucht er ab dieser Spielzeit den großen Schritt zum FC Bayern München. Einige Experten zweifeln an, ob Rudy den deutschen Primus verstärken kann. Fußball-Deutschland darf gespannt sein.

 

Eigentlich darf die 3. Liga stolz auf sich sein. Allein vier Stars des FC Bayern haben sie einst durchlaufen! Auch Joshua Kimmich wählte diese Spielklasse für den Sprung aus der A-Jugend in den Profifußball. RB Leipzig verpflichtete ihn vom VfB Stuttgart für zwei Jahre, Kimmich feierte sogleich den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Die Schwaben zogen anschließend die Rückkaufoption, die angesichts des mittlerweile offensichtlichen Talents des flexiblen Defensivexperten ein Schnäppchen darstellte. Stuttgart hatte davon freilich wenig: Der FC Bayern griff zu, eiste den damals 20-Jährigen für 8,5 Millionen Euro los. Heute ist er ein Vielfaches dessen wert, gilt als vielleicht größtes Talent des FCB.

 

RasenBall Leipzig war gewiss kein ganz normaler Drittligist. 2013/14 feierten die Sachsen den geplanten Durchmarsch aus der Regional- in die 2. Bundesliga – auch dank eines luxuriös anmutenden Kaders. Das größte Talent stellte schon damals Yussuf Poulsen dar, Däne mit Wurzeln im afrikanischen Tansania. Er kostete 1,3 Millionen Euro Ablöse an Lyngby BK, ein möglicher Verkauf würde Leipzig mehr als das Zehnfache einspielen. Doch warum sollten die roten Bullen ihn überhaupt verkaufen? In der dritten sowie zweiten Liga galt er als Star des Teams, einzig in der Bundesliga brauchte Poulsen 2016/17 seine Anlaufzeit. Nichtsdestotrotz ist Poulsen fest an der Seite von Timo Werner als RBL-Doppelspitze eingeplant.

 

.

Send this to friend