16. März 2016 um 17:12 Uhr

Christian Tiffert im Interview: "Ich will kein Oberlehrer sein“

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© imago/Eisenhuth

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Christian Tiffert vom FC Erzgebirge Aue spricht im Interview mit liga3-online.de über die Aufbruchstimmung in Aue, seine Rolle in der jungen Mannschaft und er verrät, ob er an den Aufstieg glaubt. 

Hintergrund: Eigentlich hatte Christian Tiffert seine Karriere als Fußballprofi im Sommer 2014 beendet. Ein Jahr später entschloss sich der 34-Jährige zu einem Comeback und heuerte in Aue an, wo er bislang 23 Mal zum Einsatz kam. Insgesamt kann Tiffert auf die Erfahrung von 225 Erst- und 82 Zweitliga-Spielen zurückblicken. Für den VfB Stuttgart bestritt der gebürtige Hallenser zudem sogar acht Partien in der Champions-League.

liga3-online.de Hallo Herr Tiffert. Der FC Erzgebirge Aue war zuletzt 15 Spiele in Folge ungeschlagen. Warum fand diese Serie gegen Holstein Kiel ein Ende?

Christian Tiffert: Wir waren in diesem Spiel leider chancenlos, haben zurecht mit 0:3 verloren. Bei den vielen Spielen haben wir aber gar nicht die Zeit, uns großartig damit zu beschäftigen. Dass jede Serie einmal zu Ende geht, war klar.

Werden sich die Veilchen bis Saisonende auf den Aufstiegsplätzen halten können?

Ich bin kein Hellseher, aber wir werden natürlich alles versuchen. Wenn man so lange oben dabei ist, möchte man den Platz auch verteidigen. Es ist eine schwere Aufgabe, aber wir haben auch eine sehr gute Mannschaft.

Im Sommer gab es einen großen Umbruch, konnte man damit rechnen, jetzt so gut dazustehen?

Es ist schon überraschend, ich glaube uns hatten nicht viele für die Spitzengruppe auf dem Zettel. Wenn viele neue Spieler da sind, braucht es Zeit, bis man sich findet – die hat man im Fußball oder im Sport allgemein eigentlich nicht. Aber hier wurde, was die Kaderplanung und die einzelnen Charaktere angeht, vieles richtig gemacht. Dazu haben wir einen guten Trainer und ein Umfeld, das die Lage richtig einschätzt. Von uns erwartete keiner, oben drin zu stehen, stattdessen ist Geduld und Anerkennung für die Leistung der Mannschaft da. Dazu gehört auch, Rückschläge wie jetzt im Spiel gegen Kiel in Kauf zu nehmen.

Auf den Abstieg im vergangenen Sommer folgte eine Aufbruchsstimmung mit steigenden Mitgliederzahlen, dem Stadionneubau und jetzt dem sportlichen Erfolg – wie schätzen Sie die jetzige Stimmungslage im Verein ein?

Nach einem Abstieg kann man natürlich alles verteufeln und sich von dem Verein abwenden, der einem am Herzen liegt. Oder man macht das Gegenteil und sagt sich, jetzt erst recht. Hier ist genau das passiert. Die Fans haben sich zusammengetan, gehen zahlreich ins Stadion. In Aue begegnen einem die Leute nur positiv. Der sportliche Erfolg trägt dazu bei, aber den Leuten hier ist es auch wichtig, Spieler zum Anfassen zu haben, mit denen man auch mal sprechen kann. Wir haben hier gute Charaktere, eine junge und hungrige Mannschaft. Die Art und Weise wie wir Fußball spielen ist auch das, was die Leute sehen wollen. Deshalb sind hier alle enger zusammengerückt.

Mit welcher Überzeugung gingen Sie im August nach Aue? Ihre aktive Karriere hatten Sie ja eigentlich schon beendet.

Für mich ging es darum zu sehen, ob ich noch Spaß am Spiel habe. Die Dritte Liga macht man nicht im Vorbeigehen, nach einem Jahr Pause muss man sehen, ob man noch den entsprechenden Fitnesszustand erreichen kann. Ich war mir sicher, dass mir das gelingt. Das Trainerteam hat keinen Druck ausgeübt, das war mir wichtig. Der Fußball bereitet mir weiter große Freude.

Mittlerweile sind Sie als Stammspieler gesetzt. Welche Rolle nehmen Sie auf Platz an?

Darüber mache ich mir eigentlich keine Gedanken. Weil ich ein paar Spiele mehr auf dem Buckel habe als andere, werde ich kein besserer oder schlechterer Fußballer. Ich bin ein Teil der Mannschaft und will kein Oberlehrer sein. Der Trainer stellt uns gut ein, das ist das Wichtigste. Wenn die Jungs in bestimmten Situationen Fragen haben oder Hilfestellungen brauchen, bin ich dafür aber natürlich gerne bereit. Ich bin aber alles andere als ein Lautsprecher oder Dirigent.

Sehen Sie sich als Vorbild für jüngere Spieler?

Nicht bewusst. In meinem Alter achtet man schon auf Sachen, die meiner Fitness und meinem Körper gut tun. Sollte das auch zum Vorbild für jüngere Spieler taugen, ist das schön, aber ich denke darüber nicht permanent nach.

Sehen wir Aue im kommenden Jahr wieder in der 2. Bundesliga?

Ich habe es immer so gehandhabt, dass ich mich dazu nicht groß äußere, sondern verweise einfach auf die nächsten Spiele. Wir sind alle Sportler genug, um das Bestmögliche anzustreben.

Was kann denn auf dem Weg zum Aufstieg noch schiefgehen?

Eine ganze Menge. Dabei geht es gar nicht so sehr darum, wer gegen wen spielt. Wir hatten einige Mannschaften, die unten drin stehen und ums Überleben kämpfen. Das waren keine einfacheren Spiele als die sogenannten Spitzenspiele. Das ist jetzt alles Spitz auf Knopf. Es gibt jetzt keine Favoriten mehr, sondern die Tagesform entscheidet.

Am Freitag kommt der Hallescher FC, danach spielen Sie im Landespokal gegen Dresden, dann geht es nach Magdeburg. Wie entscheidend sind diese drei Derbys?

Im Prinzip ist jetzt jedes Spiel ein richtungsweisendes. Wir hätten auch alle anderen Spiele noch aufzählen können. Es geht in jedem Spiel um die Wurst – nicht nur für uns, auch für die anderen.

 

Mitarbeit: Julian Koch

 

 

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