11. Oktober 2017 um 13:34 Uhr

Chemnitz: Was aus den ehemaligen Spielern geworden ist

Von
© imago/Picture Point

© imago/Picture Point

liga3-online.de blickt zurück auf Publikumslieblinge, Leistungsträger und Persönlichkeiten der Drittligisten, die ihrem Verein aber den Rücken gekehrt haben und ihr Glück bei einem anderen Klub versuchten. Heute im Blickpunkt: Der Chemnitzer FC.

Stenzel in Meuselwitz, Löwe in der Premier League

Fabian Stenzel: Als der Chemnitzer FC im Frühsommer bekanntgab, den auslaufenden Vertrag von Stenzel nicht verlängern zu wollen, sorgte das für erstaunte Gesichter. Sechs Jahre lang war der heute 31-Jährige aus dem CFC-Kader nicht wegzudenken, er bestritt 185 Pflichtspiele (3 Tore) für die Himmelblauen und war eigentlich immer unverzichtbar – völlig egal, ob als Außenverteidiger oder Abräumer im Mittelfeld. Mit 269 Einsätzen war Stenzel lange Rekordspieler der 3. Liga, ehe ihn erst Robert Müller (VfR Aalen), dann Alf Mintzel (Wehen Wiesbaden) und zuletzt auch Osnabrücks Tim Danneberg überholten. Stenzel wird es verschmerzen können, seit Juli steht er beim Nordost-Regionalligisten ZFC Meuselwitz unter Vertrag – dort ist er wieder gesetzt.

Chris Löwe: Von der Regionalliga in die Premier League – kein anderer Ex-Chemnitzer hat eine solch beeindruckende Entwicklung genommen wie Chris Löwe. Nach drei Jahren im CFC-Dress wechselte Löwe 2011 zu Borussia Dortmund, wo er über den Status als Ergänzungsspieler nicht hinaus kam, und von dort weiter zum 1. FC Kaiserslautern. Vier Jahre lang lief er für die Pfälzer auf, mauserte sich zu einem der besten Außenverteidiger der 2. Liga und bekam dann einen Anruf, mit dem er trotzdem nicht gerechnet hatte. Am anderen Ende der Leitung war im Sommer 2016 der Deutsch-Amerikaner David Wagner, der wenige Monate zuvor den englischen Zweitligisten Huddersfield Town übernommen hatte. Der wollte Löwe unbedingt verpflichten, der gebürtige Plauener zögerte nicht lange und unterschrieb. Auf der Insel schnappte sich der heute 28-Jährige direkt einen Stammplatz, den er auch nach dem Aufstieg in die Premier League nicht mehr hergab. Beeindruckend!

Nils Röseler: Von 2014 bis 2016 bildete Röseler zusammen mit dem heutigen CFC-Kapitän Marc Endres das Innenverteidiger-Gespann, dann zog es den 25-Jährigen zurück in die Niederlande. Dort hatte der im grenznahen Bad Bentheim geborene Röseler bereits einen Teil seiner Jugend und die ersten Jahre im Herrenbereich verbracht, vor allem bei Twente Enschede, ein Jahr aber auch bei VVV Venlo. Heute spielt Röseler wieder für Venlo – und das überaus erfolgreich. Im ersten Jahr war er als Führungsspieler maßgeblich am Aufstieg in die erste Liga beteiligt. Jetzt, in seiner zweiten Saison, verteidigt Röseler gegen die Angreifer von Ajax Amsterdam, Feyenoord Rotterdam oder PSV Eindhoven. Mit Erfolg: Der Aufsteiger belegt derzeit einen starken 7. Platz.

Tim Hölscher: An den technisch beschlagenen Mittelfeldspieler werden sich nur noch wenige Chemnitzer Anhänger erinnern. Am 1. September 2014 gab der CFC bekannt, Hölscher von Twente Enschede ausgeliehen zu haben. Vier Monate und drei Pflichtspieleinsätze später war das Kapitel Hölscher bei den Sachsen bereits wieder geschlossen – Anspruch und Wirklichkeit klafften zu weit auseinander. Hölscher ging zurück nach Enschede, wo er bereits einen Teil seiner Jugend verbracht hatte, doch der Durchbruch blieb aus. Obwohl für den heute 22-Jährigen neben 88 Zweitligaspielen (22 Tore) auch 36 Einsätze in der höchsten Spielklasse notiert sind, legte ihm Twente im Sommer einen Wechsel nahe. Seitdem spielt Hölscher für die Go Ahea Eagles, einen Zweitligisten, bei dem er direkt zum Stammspieler aufgestiegen ist.

Löning ist Fanbeauftragter in Sandhausen

Reagy Ofosu: Zwischen 2014 und Januar 2016 verzückte Ofosu die Fans der Himmelblauen mit seinen Dribblings, dann nahm er ein Angebot des damaligen österreichischen Erstligisten SV Grödig an. Weil er auch dort überzeugte, der Verein aber abstieg, zog Ofosu gleich weiter zum niederländischen Erstligisten NEC Nijmegen. Dort gehörte er zunächst zur Stammelf, verlor aber seinen Platz, als der Verein zum Ende der Spielzeit dem Abstieg entgegentaumelte. Nach einem Jahr hieß es für Ofosu deshalb wieder: Koffer packen, Angebote sondieren. Anfang August war es dann soweit, Ofosu präsentierte stolz seinen neuen Arbeitgeber: NK Istra 1961, erste Liga in Kroatien. Ofosu machte 7 von 10 Ligaspielen, der Verein aber ist Letzter, dem flinken Linksfuß droht ein Déjà-vu.

Silvio Bankert: Zwischen 2010 und 2014 verteidigte Bankert im Trikot des CFC, ehe er zum 1. FC Magdeburg wechselte. Vor gut anderthalb Jahren beendete Bankert dann seine Karriere als Spieler auf eigenen Wunsch. Seine sportlichen Fähigkeiten waren nicht mehr so sehr gefragt wie in den Jahren zuvor, auf den Menschen Bankert wollte in Magdeburg aber niemand verzichten, weshalb ihn der Verein umgehend zum Co-Trainer der U19 beförderte. Weil er dort ähnlich souverän auftrat wie früher als Verteidiger, holte ihn Magdeburgs Trainer Jens Härtel in diesem Sommer in gleicher Funktion in seinen Trainerstab. Mal sehen, wohin das noch führt.

Frank Löning: Nur ein Jahr lang spielte Löning von Januar 2015 an für Chemnitz und doch hat man ihn dort in guter Erinnerung behalten. Gar nicht so sehr wegen seiner sportlichen Qualitäten, seine beste Zeit hatte der Mittelstürmer damals schon hinter sich, sondern vielmehr wegen seines Auftretens im und rund um den Verein. In diesem Frühjahr beendete Löning dann seine Karriere und kehrte als Fanbeauftragter zurück zum SV Sandhausen, wo er schon als Aktiver seine erfolgreichsten Jahre hatte. Und weil ihm dann doch der Mannschaftssport fehlte, schnürt Löning jetzt auch wieder die Schuhe. Beim FC Badenia St. Ilgen, einem Landesligisten knapp zwei Kilometer von Sandhausen entfernt. Die Bilanz: Vier Spiele, zwei Tore. Er kann es eben.

Benjamin Förster: Als der Chemnitzer FC in der Saison 2010/11 in die 3. Liga aufstieg, war Benjamin Förster daran mit 25 Treffern maßgeblich beteiligt. Die Anfragen höherklassiger Vereine für den Chemnitzer Jungen stapelten sich, doch Förster blieb – ohne dass er an die Form des Aufstiegsjahren noch einmal hätte anknüpfen können. Als er nur noch als Joker gebraucht wurde, entschied sich Förster 2014 doch noch für einen Wechsel. Doch weder in Elversberg noch in Nordhausen wurde der 27-Jährige so richtig glücklich. Das änderte sich erst, als er 2016 zu Energie Cottbus ging. Gleich 13 Mal traf Förster in seiner ersten Spielzeit in der Lausitz, aktuell ist er verletzt, aber man sehnt in der Lausitz seine Rückkehr herbei.

 

.

Send this to friend