13. November 2017 um 15:57 Uhr

CZ Jena: Was aus den ehemaligen Spielern geworden ist

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© imago/Hessland

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liga3-online.de blickt zurück auf Publikumslieblinge, Leistungsträger und Persönlichkeiten der Drittligisten, die ihrem Verein den Rücken gekehrt haben und ihr Glück bei einem anderen Klub versuchten. Heute im Blickpunkt: Der FC Carl Zeiss Jena.

Schembri spielt international – Sichone als Jugendtrainer

Carsten Nulle: Der Start beim FC Carl Zeiss Jena hätte für den Torhüter nicht verheißungsvoller laufen können. Nachdem er aufgrund von Verletzungen beim Vorgängerverein SC Paderborn nur auf wenig Einsätze kam, wurde er gleich in seiner ersten Saison 2008/2009 in Jena zum "Spieler der Saison" gewählt. Im darauffolgenden Jahr gelang ihm das seltene Erfolgserlebnis, als Torhüter einen Treffer zu erzielen. Im Heimspiel gegen Osnabrück erzielte Nulle per Kopf den 1:1-Ausgleich. Nachdem der Keeper infolge des Trainerwechsels von Wolfgang Frank zu Heiko Weber suspendiert wurde, löste der Verein den Vertrag Nulles im September 2011 auf. Nach kürzeren Engagements in Kassel und Worms beendete der heute 42-Jährige seine aktive Karriere. Seit 2014 war Carsten Nulle als Torwarttrainer für den 1. FC Magdeburg, Preußen Münster und BFC Dynamo tätig. Momentan steht er mit dem BFC auf Platz 2 der Regionalliga Nordost.

André Schembri: Die Station an den Kernbergen war nur einer von zehn Profivereinen für den heute 31-Jährigen. Seine mittlerweile 15-jährige Karriere hat den in Europa weit gereisten Malteser vom Heimatland über die Nationalmannschaft bis in die Europa League geführt. Vor dem Engagement in Jena bereits durch seinen Transfer zu Eintracht Braunschweig national zur Kenntnis genommen, lief Schembri in der Saison 2008/09 für die Thüringer in der 3. Liga auf. Nach 32 Punktspielen und nur vier Toren war das Kapitel Jena jedoch wieder beendet. Immerhin sorgte Schembri mit seinen Toren in der Schlussphase der Spielzeit, dass die Jenaer den Klassenerhalt feiern durften.

Während Jena fortan mit der 3. Liga und später der Regionalliga Nordost zu kämpfen hatte, zog es Schembri über Stationen in Österreich, Malta, Ungarn, Zypern, Griechenland, Deutschland und Portugal zu seinem heutigen Verein Apollon Limassol. Mit den Zyprioten schlug sich Schembri in der Europa League zuletzt gegen Lyon (1:1) und Everton (2:2) sehr achtbar. Zudem war der 31-Jährige zuletzt in der WM-Qualifikation für sein Heimatland aktiv.

Naoya Kikuchi: Mit den beim japanischen Verein Shimizu S-Pulse ausgebildeten Kikuchi angelten sich die Thüringer im Jahr 2008 einen vielversprechenden Verteidiger. Der Transfer an die Saale stand jedoch im Vorfeld unter merkwürdigen Vorzeichen. In seinem Heimatland wegen des Vorwurfs, Sex mit einer Minderjährigen gehabt zu haben, zunächst verhaftet, wurde Kikuchi später freigesprochen, vom japanischen Fußballverband allerdings mit einer Sperre belegt.

Nachdem ein Transfer zum VfL Wolfsburg nicht zustande kam, wechselte der Verteidiger an die Jenaer Kernberge. In 25 Pflichtspielen für den FC Carl Zeiss war der Japaner nicht von einem Stammplatz zu verdrängen. Der Abstiegskampf in der 3. Liga war dem Nationalspieler (1 Länderspiel) allerdings mittelfristig zu anspruchslos. Nachdem ein Transfer zum FC Schalke 04 im Sommer 2009 nicht zustande kam, wechselte Kikuchi in sein Heimatland zurück. Seit 2016 ist der 32-Jährige für den Erstligisten Hokkaido Consadole Sapporo aktiv und als Innenverteidiger fest gesetzt.

Moses Sichone: Als Moses Sichone am 31. März 2007 sein erstes und einziges Erstliga-Tor in seiner Karriere erzielt, steht sein Verein Alemannia Aachen auf dem neunten Tabellenplatz – ein Abstieg der Domstädter scheint weit entfernt. Am Ende der Saison kommt es anders. Die Alemannia rutscht durch eine unerklärliche Negativserie noch unter den Strich und steigt wieder in die 2. Bundesliga ab. Für Sichone keine Neuheit, wandelte er mit seinen beiden Profivereinen Köln und Aachen doch stets auf der Schwelle zwischen Ober- und Unterhaus. Für den Sambier beginnt nach seinem Engagement in Aachen ein munteres Wechselspiel zwischen vielen Vereinen, das ihn im Sommer 2010 zu den Thüringern führt. Nach einer überzeugenden ersten Halbserie auf der Innenverteidiger-Position kommt der 44-fache sambische Nationalspieler in der Rückrunde kaum noch zum Einsatz. Am Saisonende wurde der Vertrag Sichones nicht verlängert. Nachdem er die Fußballschuhe an den Nagel hängte, ist er seit 2013 als Jugendtrainer bei Alemannia Aachen tätig.

Kolitsch bei Unfall gestorben – Smeekes in den Niederlanden

Richard Kolitsch: Als Richard Kolitsch im Mai 2008 im Alter von 18 Jahren sein Zweitliga-Debüt für den FC Carl Zeiss Jena gegen den 1. FC Kaiserslautern gibt, scheint der Beginn einer vielversprechenden Karriere vorprogrammiert. Eine Woche später darf Kolitsch für den bereits feststehenden Zweitliga-Absteiger gar über 90 Minuten auflaufen. Der Durchbruch in der ersten Mannschaft sollte dem gebürtigen Dresdner fortan allerdings nicht gelingen. Anhaltende Knieprobleme bremsten den Mittelfeldspieler immer wieder aus. Nach lediglich elf Einsätzen für die erste Mannschaft beendete er im Sommer 2013 seine aktive Karriere.

Als Kolitsch am 23. Mai 2014 gegen 16 Uhr mit seinem Rennrad auf der Landstraße zwischen Mertendorf und Rauschwitz östlich von Jena unterwegs war, geriet der 24-Jährige auf der von vielen Gefällen durchzogenen Strecke auf die Gegenfahrbahn. In einer Doppelkurve wurde Kolitsch von einem Lkw erfasst. Der junge Mann verstarb noch am Unfallort.

Ben Zolinski: Im Nachhinein kann man das Missverständnis zwischen Ben Zolinski und dem FC Carl Zeiss Jena wohl als kurzes Wellental in der noch nicht abgeschlossenen Entwicklung des talentierten Rechtsaußen deuten. Der gebürtige Berliner, der 2010 mit der A-Jugend des FC Hansa Rostock Deutscher Meister wurde und sich langfristig für die erste Herrenmannschaft empfehlen wollte, wurde ob des Konkurrenzdrucks in der gerade in die 2. Bundesliga aufgestiegenen Hansa-Elf in der Saison 2011/12 zum Drittligisten Carl Zeiss Jena verliehen. Dort kam der damals 19-Jährige zu genau einem Pflichtspieleinsatz in der 2. Runde des Thüringenpokals. Ansonsten fristete Zolinski ein Dasein als Stammspieler in der fünftklassigen Jenaer Reserve.

Im Januar 2012 kehrte er nach Rostock zurück, wurde erst mit der Reserve in der Oberliga-Staffel Meister und gehörte dann ab dem Sommer zum Drittligakader der wieder abgestiegenen Kogge. Der Spätstarter Zolinski brauchte dann aber noch den dreijährigen Umweg über die Regionalliga-Stationen Union Berlin II und TSG Neustrelitz, um sich ab 2016 beim heutigen Ligakonkurrenten des FC Carl Zeiss Jena, dem SC Paderborn, in der 3. Liga einen Namen zu machen.

Orlando Smeekes: Der Niederländer hätte zu einem der Aufstiegshelden in der Saison 2009/10 für den FC Carl Zeiss Jena werden können, hätten sich die Thüringer von Spieltag 36 bis 38 nicht die Freiheit herausgenommen, nur einen Punkt einzuheimsen. Der in Amsterdam geborene Smeekes schoss sich am ersten Spieltag mit einem Freistoßtreffer aus 35 Metern in die Herzen der Jena-Fans und zum Tor des Monats. Der heute 35-Jährige, der sowohl für die Niederländischen Antillen (4 Spiele) als auch für Curaçao (2 Spiele) auflief, ließ bis zum Saisonende 16 weitere Tore folgen und avancierte damit hinter Régis Dorn (SV Sandhausen) und Moritz Hartmann (FC Ingolstadt) zum drittbesten Stürmer der Liga. Der Erfolg an den Kernbergen brachte seine Tücken mit sich. Smeekes wollte in der Sommerpause in die 2. Bundesliga wechseln, doch niemand brachte die geforderte Ablösesumme.

In der Folgesaison fehlten dem eigenwilligen Angreifer mit dem abgewanderten Trainer René van Eck sowie den gewechselten Lanzaat und Holwijn die fürsprechenden Mannschaftskollegen. Smeekes erzielte in der Spielzeit 2010/11 nur noch drei Treffer für die Jenaer. Über Wiesbaden und Maritzburg (Südafrika) führte der Weg des Stürmers im Jahr 2014 in die Niederlande zurück. Doch nirgends sollte er wieder so erfolgreich sein wie zu Jenaer Zeiten. Mittlerweile ist Smeekes für den niederländischen Viertligisten OFC Oostzaan aktiv.

Lindemann zurück in Deutschland – Simak kickt in Tschechien

Björn Lindemann: Wie sich die Karriere von Björn Lindemann wohl entwickelte, wenn er sich auf den anstrengenden, disziplinierten Lebensstil eines Profifußballers eingelassen hätte? Müßig darüber zu diskutieren, denn Lindemann kokettierte oft höchstpersönlich mit seinem Image als Lebemann und schlampiges Talent. Der in der Jugend bei Hannover 96 ausgebildete Mittelfeldspieler blieb bei seinen Stationen in Kiel, Lübeck, Magdeburg, Paderborn und Osnabrück nie wirklich lange, vermittelte aber stets den Eindruck eines Spielers, der ein Duell mit genialen Einfällen alleine entscheiden kann. Zugleich verzweifelte mancher Beobachter ob des großen Potenzials, das der gebürtige Stadthagener offenbarte, jedoch nie wirklich ausschöpfen wollte – immer lockte das Leben mit seinen verheißungsvollen Lastern.

Lindemann wäre nicht der selbe Akteur gewesen, hätte er sich in seinen Freiheiten eingegrenzt. Beim FC Carl Zeiss Jena stießen die freizeitlichen Vorlieben des Offensivmanns nicht auf Gegenliebe von Trainer Petrik Sander. Nach 13 Pflichtspielen und zwei Toren wurde der Vertrag nach nur einem halben Jahr Ende 2011 aufgelöst. Nur wenige Wochen später zog es Lindemann schließlich in die exotische Fußballwelt Thailands, wo er sein berufliches Glück fand. Er genoss die Vorzüge außerhalb des Platzes in Südostasien und avancierte auf dem Rasen zu einem der Publikumslieblinge in der dortigen Thai League. Nach über fünfeinhalb Jahren zwischen Bangkok und Si Sa Ket kehrte Lindemann im August 2017 in seine niedersächsische Heimat zurück. Mittlerweile spielt der 34-Jährige für den Nord-Regionalligisten 1. FC Germania Egestorf/Langreder.

Jan Simak: Die Geschichte des Tschechen Jan Šimák erzählt zwei gegensätzliche Stränge eines noch jungen, turbulenten Lebens. Das einstige Wunderkind des tschechischen Fußballs konnte die ganz hohen Erwartungen an seine Fähigkeiten nie ganz erfüllen. Dass Šimák nach einer langen Phase voller Depressionen und Alkoholprobleme aber ein Comeback auf dem Fußballplatz sowie die Rückkehr in ein stabiles Leben gelang, ist der Wendepunkt in der Biographie des Tschechen. Die Ruhe, die ihm in insgesamt zwei Spielzeiten im beschaulichen Jena geboten wurde, verhalf ihm nach dem Trubel in der Anfangszeit seiner Profikarriere, wieder klaren Fuß zu fassen. Nachdem der Mittelfeldspieler in Hannover den Durchbruch im Männerfußball schaffte, stockte die Entwicklung beim ambitionierteren Bayer Leverkusen, die in Šimák einen legitimen Ballack-Nachfolger sahen.

Die folgenden drei Jahre im heimischen Prag waren überschattet von Streitigkeiten mit Trainern und der Alkoholkrankheit. Nachdem er sich in therapeutische Behandlung begeben hatte, wechselte der damals 28-Jährige im Jahr 2007 zum Zweitligisten Carl Zeiss Jena. Den Abstieg konnte der Mittelfeldspieler trotz einer herausragenden Leistung mit sieben Toren in 28 Pflichtspielen nicht verhindern. Nach einem wiederholt dreijährigen Intermezzo in der Bundesliga bei Stuttgart und Mainz kehrte Šimák 2011 erneut an die Kernberge zurück. Der mittlerweile in der 3. Liga beheimatete Verein stieg mit dem Tschechen am Ende der Saison erneut ab – trotz der acht Treffer Šimáks. Mittlerweile lässt der 38-Jährige seine Karriere beim tschechischen TJ Sokol Chotoviny ganz langsam ausklingen.

Vitalij Lux: Mit den Vorschusslorbeeren von 44 Treffern in 103 Spielen für den in Bayern beheimateten FV Illertissen kam der Kirgise 2014 nach Thüringen. Lux sollte Jena endlich wieder in die 3. Liga schießen. Der Stürmer entwickelte sich zum Transferflop für die Zeiss-Städter. Am Ende standen für den heute 28-Jährigen magere 14 Einsätze und ein Treffer zu Buche. Nach nur einem halben Jahr wechselte der kirgisische Nationalspieler zurück in die Regionalliga Bayern zur Nürnberger Reserve. Mit der SpVgg Unterhaching, für die er seit 2015 aktiv ist, stieg er im Sommer 2017 in die 3. Liga auf. Am 3. Dezember dieses Jahres steigt das Duell gegen seinen Ex-Verein Carl Zeiss Jena.

 

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