4. Juni 2017 um 09:21 Uhr

Aufstiegsmodus zur 3. Liga: Warum kein Kompromiss?

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© imago/Hübner

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Nachdem Waldhof Mannheim und die SV Elversberg am vergangenen Mittwoch zum zweiten Mal in Folge am Aufstieg in die 3. Liga gescheitert sind, gerät der Aufstiegsmodus, der sechs Teams in eine Playoff-Runde schickt, immer stärker in die Kritik. Dabei ist doch ein Kompromiss möglich. Ein Kommentar.

Aktueller Aufstiegsmodus ist absurd

Es gibt wohl nur wenige Fragen, in denen sich Fans, Spieler, Trainer und Vereins-Verantwortliche so einig sind wie in dieser: Der aktuelle Aufstiegsmodus zur Dritten Liga (Playoff-Runde zwischen fünf Regionalliga-Meistern und dem Südwest-Vize) ist absurd. Nur beim DFB sieht man das offenbar anders: Von "allen schwierigen Lösungen“ sei die jetzige noch die Beste, so DFB-Präsident Reinhard Grindel. Seine Begründung mutet allerdings seltsam an: In den Regionalligen gebe es sehr unterschiedliche Vereine, manche streben in die zweite Liga, andere hätten ihr Leistungsmaximum erreicht. Bei weniger Staffeln würden letztere durch die weiteren Wege in finanzielle Bedrängnis kommen. Aber ist es nicht so, dass gerade die Anzahl jener schwächeren Regionalliga-Klubs durch weniger Staffeln deutlich reduziert werden würde? Das Ergebnis wären einzelne Staffeln mit einem deutlich geringeren Leistungsgefälle und einer größeren Konzentration von Traditionsklubs mit hohen Zuschauerzahlen. Gerade letzterer Punkt würde die Regionalliga auch für die verbliebenen kleineren Klubs attraktiver machen.

Aufteilung nach Mitgliederzahlen der Landesverbände

Und wenn Grindel drei Staffeln für zu wenig hält – wieso nicht eine Kompromiss-Lösung mit vier Staffeln erzielen? Für die Dritte Liga mit ihren 20 Mannschaften wäre es zumutbar, wenn die Anzahl der Absteiger von drei auf vier erhöht werden würde. Und die viertklassigen Vereine, nun aufgeteilt in vier Staffeln, wären vom unerträglichen Zustand befreit, nicht direkt als Meister aufsteigen zu können. Die Aufteilung dieser vier Staffeln könnte in einem zweiten Schritt besprochen werden. Um eine Diskussionsgrundlage zu geben und das Szenario zu veranschaulichen, folgt hier eine mögliche Variante. Grundlage der Überlegungen sind die 21 Landesverbände des DFB und ihre Mitgliederzahlen.

Staffel-RL

  • Staffel Nord: Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein (Gesamtmitgliederzahl: 1.536.350)
  • Staffel West: Mittelrhein, Niederrhein, Rheinland, Westfalen (Gesamtmitgliederzahl: 1.832.259)
  • Staffel Südwest: Baden, Hessen, Saarland, Südbaden, Südwest, Württemberg (Gesamtmitgliederzahl: 1.857.718)
  • Staffel Bayern/Mitteldeutschland: Bayern, Sachsen, Thüringen (Gesamtmitgliederzahl: 1.830.942)

Meister hätten Aufstiegsplatz sicher

Dies ist natürlich nur eine von mehreren Möglichkeiten. Im Vergleich zu den derzeitigen Staffeln wären die einzelnen Staffeln nach der Mitgliederanzahl der teilnehmenden Landesverbände gerechter aufgeteilt. Dies ist kein unwichtiger Faktor – schließlich spielen die Landesverbände und ihr Einfluss in der Entscheidungspolitik des DFB in solchen Fragen eine wichtige Rolle! Die Staffel mit der mit Abstand geringsten Mitgliederzahl (Nord) wäre gleichzeitig die mit der größten geographischen Ausbreitung, womit dies wieder gerechtfertigt wäre. Das allerwichtigste Argument für eine solche Neugestaltung der Regionalliga wäre allerdings: Die Meister der einzelnen Staffeln hätten wieder einen sicheren Aufstiegsplatz in die Dritte Liga – und das muss das Ziel sein!

 

 

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  • Avo

    Eine alternative Variante wäre die Aufstockung der 3. Liga auf 21 Mannschaften mit 5 festen Absteigern (Platz 17-21) und die Regionalliga-Meister steigen alle direkt auf.

    Oder wenn man den 2. der Südwest-Staffel weiterhin die Aufstiegsmöglichkeit geben will, eine Aufstockung auf 22 Mannschaften mit 5 festen Absteigern und einem Relegationsplatz. Absteiger (Platz 18-22), Relegation (Platz 17 gegen 2. Südwest).

  • Magdeburger

    Klar gibt es 2 Gruppen an Vereinen die unterschiedliche Interessen verfolgen…
    Die Traditionsvereine, welche ihren Fans nichts unterhalb der dritten Liga verkaufen können!
    Und die "Amateur-Vereine", die halt die 4. Liga als höchstes Ziel sehen, aber nicht unter den maximalen finanziellen Bedingungen.

    Diesen 2 Gruppen kann man innerhalb einer Spielklasse (Liga 4) nicht alles Recht machen.
    Aber das ist ja der springende Punkt. Was sollte Priorität haben!?
    Eine Liga, dessen Meister nicht belohnt wird mit dem Aufstieg, ist nur eine "Spass-Liga" und das kann ja wohl nicht im Sinne des Fußballs sein.

    Der DFB argumentiert damit, dass die kleinen Vereine durch weniger Staffeln ihrer Existenz bedroht werden könnten. Aber da muss man doch deutlich sagen, wenn ein Verein sich die 4. Liga nicht "leisten" kann, dann reicht es halt auch nicht zum Fußball spielen ausserhalb des eigenen Fussball Verbandes.

    Anders sieht es für die Traditionsvereine aus…
    Vereine wie Offenbach, Mannheim, Jena, Aachen, Essen usw. investieren Jahr für Jahr um in die dritte Liga aufsteigen zu können. Man kann theoretisch dreimal hintereinander Meister werden und verbleibt trotzdem in Liga 4 und kann vermutlich Insolvenz anmelden.
    Hier kommt der DFB dann gleich immer mit über die Verhältnisse leben. Ja, damit wird aber im Profi bereich begonnen und wird halt nach unten durch gereicht.

    Unterm Strich heißt das meiner Meinung nach eindeutig dass die Priorität darin liegen muss dass der Meister auch aufsteigt und die anderen Dinge entsprechend angepasst werden. PUNKT!

  • Anta

    Die Meister sollten immer direkt aufsteigen. Das ist in allen Sportarten und Ländern fast immer der Fall, wenn es keine Playoff-Runde gibt. Zwei KO-Spiele würde ich keinesfalls als solche ansehen.
    Desweiteren sind Regionalligen normalerweise länderübergreifend. Die RL Bayern ist nur eine höher angesiedelte Bayernliga, die RL West hat durch mehrere Verbände innerhalb NRW dann schon eher eine Daseinsberechtigung, aber genau genommen als bessere NRW-Liga auch nicht.
    Vier Staffeln wären schon gut, aber nicht durch Ländergrenzen, sondern Verbandsgrenzen getrennt. Damit hätte man etwas mehr Spielraum bei der Einteilung. Allerdings würden da einige Rundfunkanstalten nicht mitmachen wollen, vermute ich mal.
    So wie es jetzt ist, kann es nicht bleiben. Man schaue nur mal zur RL Südwest. Dort stauen sich 3.Liga-Absteiger und Nichtaufsteiger der letzten Jahre und ich befürchte, dass damit viel Tradition nach und nach ganz tief abstürzen wird.
    Die Idee, die 2.Bundesliga in drei Staffeln mit nur zwei Aufsteigern auszutragen, hatte noch niemand. Das wäre aber ähnlich spannend und sportlich wertlos wie die derzeitige RL-Aufstiegsregelung.

  • Kiebietz

    Ich bin der Meinung, dass der derzeitige Zuschnitt und auch die Zusicherung von 2 Teilnehmern aus dem Südwesten proportional stimmig ist und den meisten Regionalligisten entgegenkommt. Die Regionalliga Bayern ist da ein positives Beispiel, da dort wirklich lauter Vereine aus Bayern gegeneinander spielen und es zu vielen kleineren Derbys kommt. Auch der Westen mit NRW kommt da gut weg und im Nordosten gibt es quasi eine Neuauflage der DDR-Liga. Die Fahrzeiten sind überschaubar, das Interesse ist auch angesichts der zahlreichen Traditionsvereine relativ groß.

    Da sich alle (bis auf den DFB) einig sind, dass der Aufstiegsmodus Mist ist, sollte man dort ansetzen. Dass die 3. Liga auch 4 Absteiger verträgt, ist in meinen Augen eine Selbstverständlichkeit. 5 oder 6 Absteiger wären meines Erachtens nach zu viel des Guten, aber schon bei 4 Absteigern lässt sich die Aufstiegsrunde zugunsten einer deutlich faireren Runde reformieren. Statt zwei K.O.-Spiele auszutragen teilt man die bisherigen Teilnehmer in zwei kleine 3er Gruppen auf und lässt dann in einer kurzen Runde die beiden Gruppensieger aufsteigen. Das sind insgesamt 4 Spiele, in denen sich ein Team für die 3. Liga qualifizieren kann. So würden nur 2 Teams in die Röhre schauen.

    Alternativ kann ich mir vorstellen, dass man 3 Teams absteigen lässt und dann Relegationsplätze einführt. Wie viele, das hängt vom Willen des DFB ab, aber die unterlegenen Teams der Aufstiegsspiele könnten untereinander Teilnehmer Nr. 4 ausspielen, der dann eine letzte Chance gegen den 15. der 3. Liga erhält. Quasi doppelte K.O.-Action.

  • Renja

    Die Einteilung geht aber auch nicht. Cottbus bis Meppen sind es ca. 600 km. Da zu die ganzen Fahrtkosten, Übernachtungskosten usw., sind für diese Staffel zu hoch.
    Der Nordosten für sich, Bayern und BW in eine Staffel sowie der Rest in 2. Staffeln aufgeteilt. Die Mitte vom Ruhrgebiet als Trennlinie.
    Somit haben fast alle die selben Unkosten.

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