14. August 2014 um 15:50 Uhr

Kommentar: Alarmstufe Rot in Regensburg

Von
RegensburgSpieler23groß

Der Saisonauftakt verlief so vielversprechend! Das überzeugende 3:1 gegen den MSV Duisburg war durchaus ein gelungenes Debüt für den neuen Jahntrainer Alexander Schmidt und machte Lust auf die Saison 2014/15. Zwei Wochen später sah die Welt schon anders aus. Die englische Woche wurde in den Sand gesetzt, die ernüchternde Bilanz: 3 Spiele, 0 Punkte, 2:10 Tore. Zuletzt gab es ein verdientes 1:5 bei Borussia Dortmund II. Nach dem vierten Spieltag steht Jahn Regensburg auf dem vorletzten Tabellenplatz, einem Abstiegsplatz. Die Alarmglocken schrillen an der Donau.

Medien steigen in Panikmache mit ein

Und schon werden Stimmen laut, die die Entlassung von Trainer Schmidt und Sportchef Keller fordern. Der Kader sei schlecht zusammengestellt, der Trainer erreiche die Mannschaft nicht. Nach dem desaströsen Spiel bei Dortmunds U23 liegen die Nerven blank, die Abstiegsangst geht um. Nüchterne Analysen findet man im Jahn-Umfeld derzeit wenig. Sogar die Medien steigen in die Panikmache mit ein. „Oberpfalznetz.de“ zum Beispiel steigt in die Reihe der Anti-Keller-Fraktion mit ein und schreibt: „Warum wollte man unbedingt die Stützen der vergangenen Saison anderen Vereinen aufdrängen – den erfolgreichsten Torschützen Abde Amachaibou, die wichtigste defensive Stütze Jonathan [sic!] Kotzke, das fleißige Müllerchen und nicht zuletzt auch Mario Neunaber, der als Backup in der Innenverteidigung heute gut getan hätte?“

Wenig haltbare Kritik an Sportchef Keller

Doch was sind die Fakten? Das Nachrichten-Portal sieht zum Beispiel über die Tatsachen hinweg, dass sowohl Amachaibou, als auch Kotzke und „das fleißige Müllerchen“ Angebote des Vereins abgewiesen hatten und von sich aus nach neuen, höheren Herausforderungen gesucht haben. Auch die Tatsache, dass der SSV nur Spieler aus unterklassigen Ligen geholt hat ist nichts Neues, in den vergangenen Jahren war das stets der Fall beim Jahn. Dennoch wird dem Sportchef vorgeworfen keine erfahrenen Dritt- oder gar Zweitligakicker verpflichtet zu haben. Ein Dauerkritikpunkt bei den Ostbayern seit Jahren. Lediglich die Nicht-Verlängerung von Mario Neunaber könnte man Christian Keller ankreiden  – ein erfahrener Mann, der Stabilität in die Abwehr gebracht hätte.

Fragliche Personalentscheidungen des Trainers?

Und wie ist die Faktenlage beim Trainer? Fragliche Entscheidungen gab es. So durfte Thomas Kurz, der nach seiner langen Verletzung noch lange nicht wieder auf Topniveau ist,  jedes Spiel von Beginn an machen. Ein Christoph Rech musste nach einer schwachen Halbzeit in Reutlingen das ganze nächste Spiel auf der Bank verbringen. Obwohl er sich in der Vorbereitung als Stamminnenverteidiger herauskristallisierte, wurde nach dem Ausfall von Nachreiner (Verletzung) und Windmüller (Platzverweis) Youngster Sven Kopp eingewechselt – Rech blieb auf der Bank. Grund: „Christoph benötigte eine Pause.“ Torhüter Stephan Loboué, der als Ruhepol für die Abwehr geholt wurde und der „beste Torhüter der Liga“ (Keller) ist, musste nach drei Spieltagen das Tor verlassen  – weil seine Spieleröffnung nicht schnell genug war. Für ihn fing Dominik Bergdorf. Er zeigte zwar ebenfalls eine souveräne Leistung, Ruhe in die Abwehr brachte er angesichts der fünf Tore in Dortmund offensichtlich nicht. Es scheint, als wäre die Stammelf, die sich in der knapp sechswöchigen Vorbereitung herauskristallisiert hatte, nach nur zwei schlechten Spielen über den Haufen geworfen. Derzeit scheint der Trainer auf der Suche nach einer neuen Elf und probiert rum – im gestrigen Landespokalspiel in Schwarzenfeld (4:0) durfte sich zum Beispiel Andreas Güntner erstmals als Innenverteidiger probieren, außerdem wurde das System von 4-4-2 auf 4-2-3-1 umgestellt. Auch fiel auf, dass die Mannschaft in Ballbesitz nicht so ganz zu wissen scheint, was sie damit anstellen soll.Sie fand weder gegen Stuttgart, noch gegen Unterhaching oder Dortmund Mittel, etwas an den Niederlagen zu drehen. Auch in Zweikämpfen zog sie des öfteren den Kürzeren – fehlte nach anstrengenden Spiel- und (vor allem) Trainingswochen schlicht die Kraft?

Trainerentlassung noch keine Option!

Doch reicht das, um den Trainer schon nach vier Spieltagen zu entlassen? Der Vergleich zum Vorjahr: Der Jahn stand nach vier Spieltagen mit zwei Punkten auf Rang 15. Auch da gab es am vierten Spieltag fünf Gegentore, von einem System war nicht sonderlich viel zu sehen, die ersten „Stratos raus!“-Rufe waren zu vernehmen. Doch der Deutsch-Grieche hat mit seiner Mannschaft die Kurve bekommen, er durfte in Ruhe weiter arbeiten. Genau das sollte auch heuer der Fall sein! Der neue Trainer und die neue Mannschaft sollten noch ein wenig Zeit bekommen, sich zu finden, die Kurve von allein zu bekommen. Dass beide genügend Kompetenzen haben, um das angestrebte  Ziel (einstelliger Tabellenplatz) zu erreichen, davon ist Sportchef Dr. Keller auch heute noch überzeugt. Der nächste Gegner ist Hansa Rostock, danach stehen in der nächsten englischen Woche die Partien beim VfB Stuttgart II und gegen Energie Cottbus an. Stand heute keine unschlagbaren Gegner!

Noch ist Zeit – doch die Fehler müssen behoben werden

Beim Erreichen des angestrebten Ziels hängt auch viel von einem guten Start ab, hieß es in der liga3-online.de Saisonvorschau. Gegen die nächsten drei Gegner muss – und kann! – dieser noch korrigiert werden und als akzeptabel abgestempelt werden. Zumindest bis dahin sollte die Mannschaft und das Trainerteam noch Zeit bekommen, sich zu finden. Die Alarmglocken schrillen – zu spät ist es allerdings noch nicht. Doch klar ist auch: Die Schwächen der Mannschaft sind offensichtlich, sie müssen analysiert und behoben werden! Sollte das nicht gelingen, dürfte es unbequem werden in Regensburg. Und dann auch zu Recht.

Foto: SSV Jahn Regensburg

 

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  • Andreas Braun

    Die Situation kann man doch gar nicht vergleichen. Letztes Jahr war Regensburg eines der spiel- und kombinationsstärksten Teams der Liga. Jetzt hat man sich ohne Not einen Trainer ins Boot geholt, der vor allem für Defensivfußball und markante Sprüche steht. Dass so einer nach frühen Misserfolgen einen schweren Stand hat – so schwer war das Auftaktprogramm nämlich wahrlich nicht – liegt wohl in der Natur der Sache.

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