2. September 2017 um 08:10 Uhr

1. FCM: Was aus den ehemaligen Spielern geworden ist

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© Sportfotos MD

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Vor dem Aufstieg des 1. FC Magdeburg in die 3. Liga lagen sieben teilweise sehr ernüchternde Jahre in der Regionalliga Nordost. Nach dem Verpassen der Drittliga-Relegation im Jahr 2008 zogen einige Akteure aussichtsreich weiter. Andere Spieler wiederum halfen dem Club mal mehr und mal weniger im Sumpf der Viertklassigkeit weiter. Wir haben mal recherchiert, was aus manchen Publikumslieblingen und kuriosen Personalien wurde.

Müller früh ausgebremst – Braham ist Trainer 

Florian Müller: Eine der Entdeckungen der Saison 2007/08. Die Spielzeit verlief für die Blau-Weißen aufgrund der haarscharf verpassten Relegation für die 3. Liga zwar äußerst tragisch, doch Florian Müller war einer der wenigen Lichtblicke bei den Elbestädtern. Der 1986 in Eisenhüttenstadt geborene Fußballer blieb zwar nur ein Jahr beim Club, dafür aber umso länger in Erinnerung bei den Fans. Als erster Träger der goldenen Fritz-Walter-Medaille kam Müller von der Reserve des FC Bayern München nach Sachsen-Anhalt und bestritt unter den Trainern Dirk Heyne und Paul Linz als einziger Akteur alle 36 Spiele, in denen er zwei Tore erzielte. Mit dem Verpassen der Relegation zur neu geschaffenen 3. Liga war allen Magdeburg-Fans auch klar, dass der Weg des rechten Mittelfeldläufers Florian Müller weiter nach oben führen wird. Nach der Sommerpause lief Müller für den Zweitligisten Alemannia Aachen auf, mit denen er in der ersten Saison als Stammspieler den vierten Platz erreichte. In den folgenden beiden Spielzeiten bremsten den Jungprofi mehrere Bänderrisse in seiner weiteren Entwicklung aus. Als Müllers Comeback-Versuche misslangen, beendete er 2013 im Alter von 26 Jahren seine sportliche Karriere und widmete sich dem BWL-Studium. Mittlerweile ist der 30-Jährige Familienvater und hat dem Profifußball völlig den Rücken gekehrt.

Najeh Braham: Wohl wenige Akteure haben bei den Anhängern des 1. FC Magdeburgs ein solch ambivalentes Stimmungsbild hinterlassen wie Najeh Braham. Ja, der tunesische Stürmer war ein Publikumsliebling in der MDCC-Arena, vermittelte aber manchmal auch das Image einer launischen Diva. Geliebt wurde Braham vor allem wegen seiner Tore, aber auch für seine markigen Sprüche ("Kämpfen bis Tod"), die im radebrechenden Deutsch erst ihren Charme entfalteten. In der Rückrunde 2008 erst von den Sportfreunden Siegen an die Elbe gestoßen, konnten auch Brahams acht Tore in 15 Spielen das Verpassen der Relegation zur 3. Liga nicht verhindern. Der bullige Stoßstürmer hielt dem 1. FC Magdeburg aber auch in der Regionalliga Nord die Treue. Nach 29 weiteren Spielen und zehn Toren war die anderthalbjährige Liebesbeziehung zwischen dem Tunesier und dem Club allerdings beendet. Der Afrikameister von 2004 zog nach Aue weiter, wo er die Erzgebirgler in die 2. Bundesliga schoss, dort aufgrund anhaltender Knieprobleme aber 2011 seine Karriere beenden musste. Mittlerweile ist Braham Trainer beim nordhessischen Gruppenligisten FC Bosporus Kassel.

Christopher Wright: Nicht der Publikumsliebling aus der Drittliga-Premierensaison 2015/2016, Ryan Malone, sondern Christopher Wright war der erste US-Amerikaner beim 1. FC Magdeburg. Über Sacramento, Cottbus und Homburg verschlug es den Kalifornier im Sommer 2011 an die Elbe. Tatkräftige Mithilfe beim Transfer leistete der damalige FCM-Sportchef Detlef Ullrich, der den heute 30-Jährigen US-Boy noch aus seiner Zeit in Cottbus kannte. Wrights Ziel, "immer Erster zu werden", konnte er in Magdeburg nicht verwirklichen. Mit den Blau-Weißen wurde der Mittelstürmer Tabellenletzter und stieg nur deshalb nicht ab, weil die Regionalliga umstrukturiert wurde. Nach der Spielzeit mit 30 Einsätzen, in denen er immerhin sechs Treffer erzielte, endete das Engagement von Christopher Wright beim 1. FC Magdeburg. Im Anschluss hängte der US-Amerikaner auch seine Fußballschuhe an den Nagel. Mittlerweile wohnt Wright mit seiner Frau Colleen in Austin und studiert an der University of Texas Medizin.

Wijks in den Niederlanden – Bauer hat Karriere beendet

Marco Kurth: Der Transfer des gebürtigen Eislebers sorgte in der Winterpause 2011/12 für Aufsehen. Der Club holte sich mit dem bundesligaerfahrenen Profi nicht nur einen routinierten Mittelfeldspieler für den Kampf im Tabellenkeller der Regionalliga Nord, sondern auch einen meinungsstarken, streitbaren Charakterkopf ins Haus. Während der ehemalige Aue- und Cottbus-Akteur das Abrutschen auf den letzten Tabellenplatz in seinem ersten Halbjahr nicht verhindern konnte, ging er in der Saison 2012/13 als Kapitän der Elbestädter an den Start. Doch die Beziehung mit Trainer Andreas Petersen ging nicht lange gut. Beim Duell zwischen Kapitän und Coach prallten zwei Sturköpfe aufeinander. Während Kurth mitunter öffentlichkeitswirksam das Training kritisierte, fühlte sich Petersen seiner Autorität beraubt und suspendierte den heute 39-Jährigen mehrmals. Die Beziehung eskalierte, als Marco Kurth im Sommer 2013 nach einer 0:1-Niederlage im DFB-Pokal gegen den damaligen Zweitligisten Energie Cottbus die Saisonvorbereitung kritisierte. Das Tischtuch war zerschnitten. Auch wenn der Verein zwischen den beiden vermitteln wollte, ließ sich das Problem nicht mehr beheben. Kurth war geschasst, der Kapitän seines Amtes behoben. In der gesamten Saison 2013/14 sollte er kein Spiel mehr für den 1. FC Magdeburg machen. Im Juni 2014 übernahm Marco Kurth die B-Jugend der Elbestädter, führte sie als Trainer in die Junioren-Bundesliga und hielt dreimal in Folge mit ihnen die Klasse. Im Sommer 2017 übernahm er die U16 von RB Leipzig.

Marvin Wijks: Vor der Saison 2010/11 sorgte das Spieler-Casting beim 1. FC Magdeburg für Erheiterung einerseits und Kopfschütteln andererseits im Vereinsumfeld. Neu-Trainer Ruud Kaiser wollte in der Massen-Aufnahmeprüfung die richtigen Spieler für seinen neuen Verein aussieben. Dies gelang am Ende mehr schlecht als recht. Einer, der die Blau-Weißen jedoch schon vor der umstrittenen Casting-Show von sich überzeugen konnte, war Kaisers Landsmann Marvin Wijks. Der nur 1,65 Meter große Niederländer wirbelte auf der rechten Angriffsseite und erschien mit seinen schwarzen, langen Rastazöpfen wie ein kleines Abbild des legendären Ruud Gullit – so gut dies in der viertklassigen Regionalliga Nord eben ging. Der in Den Haag geborene Wijks lief in 28 Spielen für die Magdeburger auf, erzielte einen vielumjubelten Siegtreffer gegen RB Leipzig und legte fünf weitere Tore auf. Als sein Fürsprecher und Trainer Ruud Kaiser aufgrund anhaltender Erfolglosigkeit beim FCM entlassen wurde, sank auch der Stern des dribbelstarken, aber ineffektiven Mittelfeldspielers. Nach nur einer Saison war das Kapitel 1. FC Magdeburg für Wijks wieder beendet. Nach einer weiteren Saison bei Germania Halberstadt wechselte er in sein Heimatland zurück. Heute ist der 33-Jährige für den niederländischen Drittligisten VVSB Noordwijkerhout aktiv.

Fabian Zittlau: Einige Fragen bei den FCM-Fans rief die Personalie Fabian Zittlau in der Rückrunde der Aufstiegssaison 2014/15 hervor. Der gebürtige Salzwedeler und frühere FCM-Juniorenspieler war erst im Januar 2015 von Eintracht Trier an die Elbe gelotst worden. Der Verein reagierte damit auf die Baustelle auf der linken Abwehrseite. Doch nur zwei Monate später wurde der noch frische Vertrag aus persönlichen Gründen vorzeitig aufgelöst. „Fabian Zittlau hat uns mitgeteilt, dass er mit dem leistungsorientierten Fußball aufhören wird", teilte Sportvorstand Mario Kallnik damals mit. Vier Startelf-Einsätze hatte Zittlau bis dato bestritten und als Linksverteidiger überzeugt. Nachdem es anderthalb Jahre still um Fabian Zittlau geworden war, überraschte der heute 27-Jährige im Herbst 2016 mit einem Engagement beim slowenischen Zweitligisten NK Interblock Ljubljana. Im Rahmen seines Master-Studiums hielt sich Zittlau in der Hauptstadt beim zweifachen Pokalsieger fit. Nach dem Studium kann sich der in der Altmark aufgewachsene Fußballer eine private wie sportliche Rückkehr in die alte Heimat vorstellen.

Daniel Bauer: Im Rückblick mutet es seltsam an, dass Daniel Bauer in doch stattlichen vier Spielzeiten für den 1. FC Magdeburg auflief, von so vielen Missverständnissen, Fragezeichen und Animositäten war die Beziehung zum Verein und seinen Anhängern geprägt. Als Daniel Bauer in der Winterpause der Saison 2008/09 vom finnischen Erstligisten Rovaniemi PS an die Elbe stößt, soll er dem zentralen Mittelfeld der Magdeburger mehr Stabilität verleihen und dem Zweitplatzierten der Regionalliga Nord beim Aufstieg in die 3. Liga helfen. Als Bauer im Oktober 2011 sein letztes Spiel für die Blau-Weißen absolviert, steht die Mannschaft im Tabellenkeller der vierten Liga. Kurz darauf soll das Engagement mit einem Paukenschlag enden. Am Abend des 27. Oktobers 2011 weilte Bauer daheim vor dem Computer. Über das Internet war ihm ein Freund und ehemaliger Magdeburger Mitspieler zugeschaltet, als es circa 21 Uhr an der Tür klingelte. Eine männliche Person sagte, der Pizzaservice wäre da und obwohl Bauer keine Pizza bestellt hatte, entschied er sich, das vermeintliche Essen für den Nachbarn entgegenzunehmen. Als Bauer die Tür öffnete, sah er sich laut eigener Angabe mit zehn maskierten Personen im Alter zwischen 16 und 24 Jahren konfrontiert, die ihm drohten, dass man wiederkommen werde, falls das anstehende Derby gegen den Halleschen FC nicht gewonnen werde. Bauer informierte anschließend den Verein über den Vorfall, der daraufhin eine Anzeige gegen Unbekannt stellte. Der Fall konnte nie aufgeklärt werden. Für den Verein bedeutete er dennoch einen gewaltigen Imageschaden, auch weil Bauers Berater mit Anschuldigungen, der Club schütze seinen Spieler angesichts von Morddrohungen nicht genügend, weiter Öl ins Feuer goss. Die Beziehung zu Verein und Fans, die Bauer oft eine leidenschaftslose Spielweise attestierten, war nach der Demission als Kapitän wenige Wochen vor dem Vorfall ohnehin angespannt. Ende November 2011 wurde der Vertrag mit Daniel Bauer vorzeitig aufgelöst. Für den Verein bestritt der gebürtige Andernacher 64 Spiele, in denen er fünf Tore erzielte. Danach lief er noch für Eintracht Trier, den VfB Oldenburg und die Reserve von Hannover 96 auf, bevor er 2015 seine fußballerische Karriere beendete.

Malone bei Lok Leipzig – Ernst in Fürth

Lars Fuchs: Bei kaum einem Spieler in den vergangenen Jahren löste die Rückkehr nach Magdeburg solche Jubelarien bei den Anhängern aus wie im Fall von Lars Fuchs. Während einige der blau-weißen Fans in dem offensiven Mittelfeldspieler schon den in die MDCC-Arena herabgestiegenen Fußball-Heiland persönlich sahen, interessierten Trainer Andreas Petersen die einstigen Meriten des Magdeburger Messias wenig. Schon in der Saison 2009/2010 brillierte Fuchs mit Spielintelligenz und Torgefahr. In 28 Spielen erzielte der gebürtige Bad Harzburger 16 Treffer und legte zwölf weitere Tore für seine Kollegen auf. Da Magdeburg den Aufstieg in die 3. Liga dennoch deutlich verpasste, wechselte Fuchs zur Reserve von Hannover 96. In der Leinestadt wurde dem heute 35-Jährigen stets eine Zukunft in der Vereinsarbeit angedichtet, weshalb die Hoffnungen der Magdeburger während des dreijährigen Engagements in Niedersachsen sukzessive schwanden. Als die Rückkehr des 60-fachen Zweitligaspielers (Braunschweig, Osnabrück) im Sommer 2013 doch noch klappte, überschlug sich die Euphorie an der Elbe. Doch bei Trainer Andreas Petersen musste sich Lars Fuchs erst einmal mit einem Platz auf der Bank begnügen. In der Folgezeit war der Offensivmann allerdings der alte Dreh- und Angelpunkt im Angriffsspiel, so als wäre er nie drei Jahre fort gewesen. Mit dem 1. FCM stieg Fuchs 2015 in die 3. Liga auf und schenkte sich selbst und dem Verein noch einige unvergessene Momente in der neuen Spielklasse. So beispielsweise, als er am ersten Spieltag im Auftaktmatch gegen Rot-Weiß Erfurt in der 89. Spielminute zum 2:1-Siegtreffer einschoss. Nachdem Fuchs im März 2016 im Landespokal-Viertelfinale gegen den VfL Halle 96 einen Muskelbündelriss erlitten hatte, beendete er seine Spielerkarriere. Für die Magdeburger bestritt er insgesamt 110 Spiele, in denen er 43 Tore erzielte und 35 weitere vorbereitete. Im Sommer 2017 beerbte Fuchs Marco Kurth als B-Junioren-Trainer des 1. FC Magdeburg.

Ryan Malone: Dem US-Amerikaner war ein besserer Aufenthalt in Magdeburg vergönnt als Christopher Wright wenige Jahre zuvor. Zwar war er nicht so spielintensiv wie der seines Landsmannes, dafür liebte ihn das blau-weiße Publikum abgöttisch: für seinen manchmal unorthodoxen, aber immer unbändigen, leidenschaftlichen Offensivdrang, den kämpferischen Einsatz, die Variabilität, vor allem aber für seine Einwürfe, die er scharfen Flanken gleich in die gegnerischen Strafräume schleuderte. Diese Spezialität vermochte nur Ryan Malone so spielerisch leicht aussehen zu lassen, als täte er nach jedem Training nichts anderes, als Fußbälle vom Ostufer der Elbe auf die Westseite zu schmeißen. Der damals 23-Jährige war als Überraschungstüte vom Springfield College in Massachusetts zum FCM gelotst wurden. Nachdem ihm zwischenzeitlich gar der Sprung die Startelf gelang, konnte er sich nach einem Innenbandanriss und einer fünfmonatigen Zwangspause nicht für einen neuen Vertrag empfehlen. Trotz des Lobs von Trainer Jens Härtel, der dem Jungen aus Chicopee eine passable Entwicklung bescheinigte, war nach zehn Pflichtspieleinsätzen, drei Toren und einer Vorlage – natürlich war es ein Einwurf – für Malone in Magdeburg Schluss. Nach einer Spielzeit bei den Stuttgarter Kickers ist der 25-Jährige mittlerweile Stammspieler beim Nordost-Regionalligisten Lok Leipzig.

Sebastian Ernst: Er startete als Publikumsliebling und verärgerte mit seinem kurzfristigen Abgang viele Anhänger. Sebastian Ernst wechselte in der Winterpause der Saison 2016/17 von Hannover 96 zu den Blau-Weißen. In Niedersachsen sah der Mittelfeldspieler angesichts des ambitionierten Bundesliga-Kaders keine kurzfristige Möglichkeit, auf viele Einsatzminuten im Profifußball zu kommen. Die bekam er dafür nach seinem Start in Magdeburg. Und was war das für ein Auftakt! Als Neuling sofort in die Startelf geworfen, entschied er das Derby beim Halleschen FC (2:1) mit zwei Toren nahezu im Alleingang. Fortan war Ernst aus dem offensiven Mittelfeld des 1. FC Magdeburg nicht mehr wegzudenken. Mit den Elbestädtern beendete er die Drittligasaison auf dem vierten Tabellenplatz, verletzte sich aber im Landespokalfinale so schwer, dass er in der Anfangsphase der folgenden Saison nicht mehr sein volles Potenzial abrufen konnte. Zum Ende der Hinrunde 2016/17 gelang dem Club mit einem wiedergenesenen Sebastian Ernst allerdings der Sprung auf den zweiten Tabellenplatz. Was die Anhänger bis dato nicht wussten: Zu diesem Zeitpunkt stand der Wechsel zum Zweitligisten Würzburger Kickers bereits fest. Ernst, der sich mit den Mainfranken auf einen Wechsel im Sommer geeinigt hatte, wurde dann aber im Tausch mit Würzburgs Abwehrspieler Richard Weil kurz nach Rückrundenstart in die 2. Bundesliga transferiert. Für Magdeburg lief Ernst 30-mal auf, erzielte fünf Tore und legte vier weitere auf. Im Bundesliga-Unterhaus ist dem 22-Jährigen das Glück bislang nicht hold. Nachdem die Würzburger Kickers direkt wieder in die 3. Liga abgestiegen sind, steht Ernst mit seinem neuen Verein Greuther Fürth Anfang September auf dem letzten Tabellenplatz.

 

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